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16.06.2015 / 10:57

„Open Office“: Gesundheitsrisiko oder Bereicherung?

Die krankmachende Lärmbelastung in Großraumbüros wurde lange Zeit unterschätzt - abgesehen von sinkender Arbeitsleistung und steigender Stressbelastung gibt es aber auch einige Vorteile bei der Arbeit mit Geräuschkulisse

Bildquelle: Shutterstock (Storimages)

In einem Großraumbüro ist es laut und man kann sich nicht gut konzentrieren. Da ist was dran. Großraumbüros sind günstiger und werden deshalb von vielen Unternehmen aus rein ökonomischen Gründen bevorzugt in Anspruch genommen. Aber was bedeutet das für den Gesundheitszustand und die Arbeitsleistung der Beschäftigten? Hauptrisiko im „open office“ ist der erhöhte Lärmpegel. Dieser kann zu Stresszuständen, steigenden Fehlerquoten und deutlich längeren Bearbeitungszeiten führen.

Betroffene sprechen von einer verringerten Leistungsfähigkeit und das kann wiederum die eigene Befindlichkeit negativ beeinflussen. Zahlreiche Studien belegen, dass Gesundheitsbeeinträchtigungen in Großraumbüros keine Einzelfälle sind. Im Büro-Ballungsraum nimmt man das Plappern der Kollegen, die lauten Telefonate, das Brummen der EDV-Geräte und das Surren der Klimaanlage gleichzeitig wahr. Das Kurzzeitgedächtnis wird stärker beansprucht und speichert nur noch vermindert Informationen ab. Nehmen die Hintergrundgeräusche zu, sinken die Konzentration und Leistungsfähigkeit. Stress durch Lärm kann auf Dauer krank machen. Mitarbeiter klagen dann häufig über Reizungen der Augen, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen, Tinnitus oder Müdigkeit.

Aber auch die Psyche kann ordentlich gereizt werden. Die permanente Ausschüttung von Stresshormonen wie Noradrenalin und Cortisol können zu Erschöpfung, depressiven Verstimmungen und Gereiztheit führen. Die Ursache dafür liegt wahrscheinlich in der kaum vorhandenen Privatsphäre, der Reizüberflutung oder dem Gefühl der permanenten Überwachung. Im Schnitt gibt es in Großraumbüros fast doppelt so viele Fehlzeiten wie in abgetrennten Büros. Zu diesem Ergebnis kam eine im Fachjournal "Ergonomics" veröffentlichte Studie schwedischer Wissenschaftler. Da sich im offenen Büro viele Arbeitsbienen gleichzeitig tummeln, verbreiten sich natürlich auch Krankheitserreger über die Luft und Klimaanlage viel schneller. Vor allem Männer leiden unter den nicht veränderbaren Faktoren wie Beleuchtung, Klimaanlage oder der Tatsache keinen festen Arbeitsplatz zu haben.

Wenn sich Männer immer wieder einen neuen anonymen Schreibtisch suchen müssen, also kein eigenes Revier haben, werden sie mehr als doppelt so oft krank. Interessant ist ebenfalls, dass Männer in Zweier- oder Dreierbüros sogar seltener krank werden als ganz allein. Für Frauen hingegen ist es nicht so schlimm in einem großen Büro zu arbeiten, in dem einem das Gefühl beschleichen könnte die Individualität abgesprochen zu bekommen. Aber trotz allem kann man auch dem „Open Office“ Vorteile abgewinnen.  Die Kommunikationswege sind kürzer. Da sowieso alle zusammensitzen, kann man anstatt zu telefonieren, chatten direkt miteinander sprechen, was dem Großraumbüro eine persönlichere Note verleiht.

Außerdem lernt man die Kollegen schneller kennen und sitzt nicht alleine isoliert in einem Büro. Durch die hohe Transparenz hat das Großraumbüro Potenzial ehrliche Arbeit zu fördern. Man merkt schnell wer fleißig und wer ein Drückeberger ist. Die tägliche Arbeit in einem Großraumbüro ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Befindet sich durch Lärm und Überwachung die Arbeitsmoral im Keller, liegt es am Arbeitsgeber für mehr Ruhe im Büro zu sorgen. Durch gezielte lärmreduzierende Maßnahmen kann die Produktivität und auch die Gesundheit der Beschäftigten wieder erhöht werden. Die Geräuschkulisse ganz zu senken wird kaum möglich sein, aber durch den Einsatz schallschluckender Teppiche, Wände, Möbel und Pflanzen lässt sich der Lärmpegel erheblich senken.


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