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29.04.2015 / 15:11 / Mag. Philipp Gangl

Vereine und Steuern - 2015

Die Steuerbelastung bei Vereinsfesten kann erheblich sein - daher sollte man bei der Veranstaltungsplanung auch die steuerlichen Rahmenbedingungen berücksichtigen

C. Nöhren/pixelio.de

ALLGEMEINES. Musikkapellen, die Landjugend oder Sportvereine sind laut Vereinsstatuten als „gemeinnützig“ einzustufen. Sind Geschäftsführung und Statuten ausschließlich auf die Erfüllung gemeinnütziger Zwecke ausgerichtet, kann der Verein nach der Bundesabgabenordnung eine Reihe von steuerlichen Begünstigungen geltend machen. Diese Begünstigungen gelten aber nur, wenn sie sogenannte „unentbehrliche“ oder „entbehrliche“ Hilfsbetriebe betreffen. Sobald der Musikverein zu Geldbeschaffungszwecken durch Entfalten einer wirtschaftlichen Tätigkeit mit dem „freien Markt“ in Konkurrenz tritt („Kleine Vereinsfeste“ und „große Vereinsfeste“), läuft er Gefahr, diese Begünstigungen zu verlieren. Besonders unangenehm ist, dass dies nicht nur für die „schädliche Betätigung“, sondern für die gesamte Vereinstätigkeit gilt.

Für die Vereinsvorstände ist es wichtig zu wissen, welche Betätigungen in welchem Umfang von Steuerpflichten betroffen sind. Ebenso wichtig ist es, die Möglichkeiten der Geltendmachung von steuerlichen Begünstigungen zu kennen. Die nachfolgende tabellarische Darstellung soll nun darüber einen Überblick ermöglichen:

NICHTUNTERNEHMERISCHER BEREICH: 

•    Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen
•    Einnahmen aus Spenden
•    Einnahmen aus Förderungen der Gemeinden

Bei diesen Einnahmen gibt es keine Abgabenpflicht, weder Umsatzsteuer noch Körperschaftsteuer!

UNENTBEHRLICHE HILFSBETRIEBE:

•    Einnahmen aus Konzertveranstaltung des Musikvereines
•    Einnahmen aus Unterhaltungsdarbietungen

Umsatzsteuerlich wird für diesen Bereich „Liebhaberei“ unterstellt, es ist daher keine Umsatzsteuerpflicht gegeben. Gewinne aus unentbehrlichen Hilfsbetrieben unterliegen nicht der Körperschaftsteuer!

ENTBEHRLICHE HILFSBETRIEBE:


- Einnahmen aus „kleinen Vereinsfesten“ wie z.B. Faschingsbälle, Vereinskränzchen, Sommerfeste und Jubiläumsfeste
- Umsätze bis € 36.000,00 (brutto) pro Jahr sind umsatzsteuerfrei aufgrund der Kleinunternehmerregelung. Damit verbunden aber auch Ausschluss vom Vorsteuerabzug. Einmal in 5 Jahren kann die Grenze um 15% abweichen, d.h. der Umsatz erhöht sich auf € 41.400,- (brutto)
- Ein Gewinn ist prinzipiell mit 25 Prozent körperschaftsteuerpflichtig. Allerdings kann ein Freibetrag von jährlich € 10.000,00 Euro abgezogen werden. Gewinne unter 10.000,00 sind daher steuerfrei.

GROßE VEREINSFESTE. Große Vereinsfeste, wie insbesondere mehrtägige Großereignisse, werden als „begünstigungsschädliche Betriebe“ eingestuft. Durch eine solche Großveranstaltung verliert der Musikverein prinzipiell alle ihm nach den steuerlichen Gesetzen zustehenden Begünstigungen. Wenn das nicht gewünscht wird, kann der Musikverein einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung beim Finanzamt einbringen.

RZ 306 – NEUE RECHTSLAGE:
Nachhaltig durchgeführte entgeltliche gesellige Veranstaltungen stellen grundsätzlich keine Tätigkeit zur unmittelbaren Zweckverwirklichung eines begünstigten Rechtsträgers dar. Für die Beurteilung, ob die Summe dieser Veranstaltungen einen entbehrlichen Hilfsbetrieb (kleines Vereinsfest) oder einen begünstigungsschädlichen G

eschäftsbetrieb (großes Vereinsfest) darstellt, ist grundsätzlich darauf abzustellen, ob das Fest ausschließlich von den Vereinsmitgliedern getragen wird. Die Zahl der Besucher ist dabei nicht von Belangen.

1.) Die Organisation (vorausgehende Planung bis zur Mitarbeit während des Ablaufes der Veranstaltung) wird ausschließlich von Vereinsmitgliedern oder deren nahen Angehörigen vorgenommen. Diese Voraussetzung ist nicht verletzt, wenn neben der Abgabe von Getränken und Speisen durch Vereinsmitglieder ein zusätzliches, im Umfang geringfügiges Speisenangebot durch einen fremden Dritten bereitgestellt und verabreicht wird (z.B. ein „Hendlbrater“, ein Langosverkäufer). Dies gilt aber nur dann, wenn die Gäste unmittelbar in Vertragsbeziehung zu diesem fremden Dritten treten. Wird die gesamte oder ein wesentlicher Teil der Verpflegung durch einen Wirt oder einen Caterer übernommen, ist dies für das Vorliegen eines kleinen Vereinsfestes schädlich.Die Verpflegung übersteigt ein beschränktes Angebot nicht und wird ausschließlich von Vereinsmitgliedern oder deren nahen Angehörigen bereitgestellt und verabreicht; dabei darf die Verpflegung auch nicht durch einen Betrieb eines Vereinsmitgliedes oder dessen nahen Angehörigen bereitgestellt und verabreicht werden.

2.) Werden Musikgruppen oder andere Künstlergruppen für die Durchführung von Unterhaltungsdarbietungen beauftragt, kann in der Regel davon ausgegangen werden, dass diese regional und der breiten Masse nicht bekannt sind, wenn der übliche Preis, den diese Musikgruppe oder die Künstlergruppe normalerweise für ihre Auftritte verrechnet, 800 € pro Stunde nicht überschreitet.

3.) Da die Organisation ausschließlich von den Vereinsmitgliedern oder deren nahen Angehörigen vorzunehmen ist, darf auch die Darbietung von Unterhaltungseinlagen (Musik-, Show- und Tanzeinlagen) nur durch Vereinsmitglieder oder regionale und der breiten Masse nicht bekannte Künstler (nicht bekannt durch Film, Fernsehen, Radio) erfolgen.

4.) Werden sonstige Tätigkeiten, deren Durchführung durch einen Professionisten behördlich angeordnet ist bzw deren Durchführung durch Nichtprofessionisten verboten ist, nicht von Vereinsmitgliedern ausgeübt, ist dies unschädlich (z.B. behördlich beauftragte Beschäftigung eines Securitydienstes während des Festes, Durchführung eines Feuerwerkes). Dies gilt auch für die Durchführung von Tätigkeiten, deren Vornahme durch die Vereinsmitglieder unzumutbar ist (z.B. Aufstellen eines Festzeltes).

 

Der Hilfsbetrieb „kleines Vereinsfest“ umfasst alle geselligen Veranstaltungen der genannten Art, die insgesamt einen Zeitraum von 48 Stunden im Kalenderjahr nicht übersteigen.

Wir eines der obenstehenden Kriterien nicht eingehalten, gilt das Fest als „großes Vereinsfest“. Es unterliegt sohin der Umsatzsteuer (Eintrittsgelder 20%, Sponsoring 20%, Getränke 20 % und Verpflegungsumsätze 10%). Bei Vorliegen von korrekten Rechnungen ist dann auch ein Vorsteuerabzug möglich.

- Für alle Ausgaben müssen ordnungsgemäße Rechnungen vorliegen
- Der Gewinn ist durch eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zu ermitteln.          - Der Gewinn unterliegt der Körperschaftsteuer (25 Prozent).
- Pauschale Ausgaben für mitarbeitende Vereinsmitglieder können abgesetzt  werden (ab 2013 – Rechtslage neu). Der jährliche Freibetrag von € 10.000,00 steht zu. Wurde er in den letzten Jahren nicht in Anspruch genommen, können die letzten 9 Jahre kumuliert werden. Der Freibetrag kann sich sohin auf € 100.000,- kumulieren.
- Es ist beim Finanzamt eine Umsatzsteuererklärung und eine Körperschaftsteuer-Erklärung einzureichen. 

AUSNAHMEGENEHMIGUNG. Für begünstigungsschädliche Betätigungen sieht die Bundesabgabenordnung eine automatische Ausnahmegenehmigung vor, wenn die Umsätze aus allen begünstigungsschädlichen Betätigungen im Jahr nicht mehr als € 40.000,00 betragen.

Betragen die Umsätze über € 40.000,00, so muss der Verein einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung beim zuständigen Finanzamt stellen.

 


Bildquelle 1: C. Nöhren/pixelio.de

Die aktuelle Publikation des BMF Vereine und Steuern ist abrufbar unter:

Vereine und Steuern. Tipps für Vereine und ihre Mitglieder (Oktober 2014)

 

 

STEUERLICHE_BEHANDLUNG_VON_VEREINSFESTEN_Wirtschaft.at_02.pdf284 K

Kommentar von johann wiesinger

ein Sportbetrieb , sowie Startgelder sind ein unentbehrlicher Hilsbetrieb und daher umsatzsteuerbefreit (Liebhaberei). Golfclubs bieten bei Turnieren in der Regel eine Halfwayverpflegung, manchmal auch ein kleines Buffet im Anschluss an das Turnier an. Im Startgeld ist dies, sowie das Greenfee inkludiert. Hat das Anbieten von Halfwayverpflegung/kl.Buffet eine steuerliche Auswirkung ? wird aus dem Sportbetrieb dann ein Mischbetrieb ? (unentbehrliuch/entbehrlich)

(Donnerstag, 12-02-15 12:05)

 

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