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08.09.2016 / 11:11 / Mag. Philipp Gangl

Bautrends heute und morgen

Fordern bestimmte Wohnmodelle gewisse Bauweisen und -stoffe? Welche Trends zeichnen sich derzeit in der Bauwirtschaft ab und aus welchem Grund? Ein Rundblick.

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Werden Gebäude neu errichtet, müssen diese laut EU-Richtlinie 2020 zumindest so viel Energie erzeugen, wie sie verbrauchen. Der Trend zum energiebewussten Bauen ist und bleibt somit auch in der Zukunft tonangebend – der Umwelt zuliebe und aus finanziellen Gründen. Experten prognostizieren schon für dieses Jahrzehnt, dass im Rahmen des Hausbaus ein Passivhaus-Standard Mindestanforderung sein wird.

 Aber was geschieht innerhalb der Bauten und welche Nutzungsarten spielen heutzutage eine Hauptrolle? „Studentisches Wohnen hat sich etwa als Assetklasse etabliert, während Betreutes Wohnen auf dem besten Wege dazu ist – bald selbst im frei finanzierten Wohnbau,“ erklärt Claudia Pichler von Bank Austria Immobilien. Ebenso gewinnt generationenübergreifendes Wohnen an Relevanz. „Betreutes bzw. ‚Betreubares’ Wohnen wird zunehmend als Alternative zum Altenheim erlebt, dabei spielt hier das ‚Mehr an Selbstbestimmung’ eine wichtige Rolle,“ führt Pichler aus. Der Grund dafür liegt nicht zuletzt daran, dass hierfür Wohnbauförderungen kassiert werden können, außerdem kann diese Wohnform auch zur Wohngemeinschaft werden, etwa mit Doppelzimmer für Ehepaare, einem gemeinsamen Wohnzimmer für die „Alten-WG“ und einer Gemeinschafts-Küche.

 Barrierefreiheit – ein Mindeststandard im Bereich Betreutes Wohnen – ist kein Nebenthema mehr, genauso wenig wie Neuerungen in der Smart-Home-Technologie. „Diese wird gerne mit Begriffen wie Bequemlichkeit, Flexibilität, Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Automatisierung in Verbindung gesetzt wird, und findet in zunehmendem Maße Anklang“, bestätigt Pichler. Mittels eines zentralen Touchscreens oder unabhängigen Fernbedienungsgeräten wird der gesamte Haushalt einfach gesteuert.

 Zukunftsnahe Baustoffe

Außerdem ganz im Trend der Nachhaltigkeit: die „Bauteilaktivierung“. Sie bezeichnet eine innovative Technologie zur Kühlung bzw. Wärmeversorgung, sämtliche Betonbauteile wie Decken oder Bodenplatten fungieren als Energiespeicher der Sonneneinstrahlung und der Umgebungswärme. Stichwort „Plusenergiehaus“: Das im Herbst 2013 eröffnete Gemeindezentrum in Hallwang – geplant von den „Salzburger Energiepionieren“ Andrea und Harald Kuster – gilt als Vorzeigeprojekt visionären Energiemanagements – durch die Bauteilaktivierung erspart sich die Gemeinde jährlich rund 6.000 Euro, etwa ein Drittel der produzierten Energie nimmt ein benachbartes Hotel ab.

Aber auch herkömmliche Baustoffe liegen wieder im Trend. So wird etwa Lehm aufgrund seines günstigen Preises und der klimatischen Vorteile präferiert. Der Vorarlberger Architekt Martin Rauch der Lehm Ton Erde Baukunst GmbH stellte 2012 gemeinsam mit Jacques Herzog und Pierre de Meuron für Ricola eine Lagerhalle – aus Stahlbeton und Stampflehm.

 

Innovative Bauweisen

Ebenso innovativ ist das Grazer Unternehmen Commod-Haus; es verwendet Frachtcontainerrahmen als Tragwerk – Böden, Wände und Decken sind aus Holz, Stroh und Zellulose. Die Komponenten dieses ökologischen Modul- und Niedrigenergiehauses (Architekten Michaela Maresch und Gerald Brencic) seien, so versprechen die Hersteller, gemäß dem Cradle-2-Cradle-Prinzip zu hundert Prozent wiederverwendbar. Auf der Baustelle werden vorgefertigte Bauteile in wenigen Stunden aufgebaut, Commod sammelt übrigens auf der Crowdfunding-Plattform Green Rocket für den internationalen Vertrieb.

 Auch neu ist das „Sonnenhaus“ – von diesem überwiegend solarbeheizten Niedrigenergiehaus-Konzept aus Ziegel wurden in den vergangenen drei Jahren 150 Häuser gebaut. Die Solarwärme wird dabei von einer Kollektorfläche (30-50 m²) erzeugt und kann für Heizung und Warmwasser – über mehrere Wochen hinweg – gespeichert werden.


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