Top Thema

16.08.2016 / 14:06 / Mag. Philipp Gangl

Vereine und Steuern 2016 - vorläufiges Update

Die akutelle Gesetzeslage (Entwurf) für die Besteuerung von gemeinnützigen Vereinen - Stand 2016

C. Nöhren/pixelio.de

Die Steuerbelastung bei Vereinsfesten kann erheblich sein - daher sollte man bei der Veranstaltungsplanung auch die steuerlichen Rahmenbedingungen berücksichtigen

ALLGEMEINES. Musikkapellen, die Landjugend oder Sportvereine sind laut Vereinsstatuten als „gemeinnützig“ einzustufen. Sind Geschäftsführung und Statuten ausschließlich auf die Erfüllung gemeinnütziger Zwecke ausgerichtet, kann der Verein nach der Bundesabgabenordnung eine Reihe von steuerlichen Begünstigungen geltend machen. Diese Begünstigungen gelten aber nur, wenn sie sogenannte „unentbehrliche“ oder „entbehrliche“ Hilfsbetriebe betreffen. Sobald der Musikverein zu Geldbeschaffungszwecken durch Entfalten einer wirtschaftlichen Tätigkeit mit dem „freien Markt“ in Konkurrenz tritt („Kleine Vereinsfeste“ und „große Vereinsfeste“), läuft er Gefahr, diese Begünstigungen zu verlieren. Besonders unangenehm ist, dass dies nicht nur für die „schädliche Betätigung“, sondern für die gesamte Vereinstätigkeit gilt.

Für die Vereinsvorstände ist es wichtig zu wissen, welche Betätigungen in welchem Umfang von Steuerpflichten betroffen sind. Ebenso wichtig ist es, die Möglichkeiten der Geltendmachung von steuerlichen Begünstigungen zu kennen.

Die Gesetzteslage hat sich in den letzten Jahren oft geändert, jedoch zum Guten für die Vereine.

Die nachfolgende tabellarische Darstellung soll nun darüber einen Überblick ermöglichen:

NICHTUNTERNEHMERISCHER BEREICH: 

•    Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen
•    Einnahmen aus Spenden
•    Einnahmen aus Förderungen der Gemeinden

Bei diesen Einnahmen gibt es keine Abgabenpflicht, weder Umsatzsteuer noch Körperschaftsteuer!

UNENTBEHRLICHE HILFSBETRIEBE:

•    Einnahmen aus Konzertveranstaltung des Musikvereines
•    Einnahmen aus Unterhaltungsdarbietungen

Umsatzsteuerlich wird für diesen Bereich „Liebhaberei“ unterstellt, es ist daher keine Umsatzsteuerpflicht gegeben. Gewinne aus unentbehrlichen Hilfsbetrieben unterliegen nicht der Körperschaftsteuer!

ENTBEHRLICHE HILFSBETRIEBE:

- Einnahmen aus „kleinen Vereinsfesten“ wie z.B. Faschingsbälle, Vereinskränzchen, Sommerfeste und Jubiläumsfeste
- Umsätze bis € 36.000,00 (brutto) pro Jahr sind umsatzsteuerfrei aufgrund der Kleinunternehmerregelung. Damit verbunden aber auch Ausschluss vom Vorsteuerabzug. Einmal in 5 Jahren kann die Grenze um 15% abweichen, d.h. der Umsatz erhöht sich auf € 41.400,- (brutto)
- Ein Gewinn ist prinzipiell mit 25 Prozent körperschaftsteuerpflichtig. Allerdings kann ein Freibetrag von jährlich € 10.000,00 Euro abgezogen werden. Gewinne unter 10.000,00 sind daher steuerfrei.

GROßE VEREINSFESTE. Große Vereinsfeste, wie insbesondere mehrtägige Großereignisse, werden als „begünstigungsschädliche Betriebe“ eingestuft. Durch eine solche Großveranstaltung verliert der Musikverein prinzipiell alle ihm nach den steuerlichen Gesetzen zustehenden Begünstigungen. Wenn das nicht gewünscht wird, kann der Musikverein einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung beim Finanzamt einbringen.

NEUE RECHTSLAGE ab 2016 im Zusammenhang mit der Registrierkassenpflicht:

Gesellige Veranstaltungen stellen bei Vorliegen folgender Voraussetzungen einen entbehrlichen Hilfsbetrieb („kleines Vereinsfest“) dar:

  • Das Vereinsfest wird im Wesentlichen (zu mindestens 75%) von den Mitgliedern des Vereines oder deren Angehörigen getragen. Im unwesentlichen Ausmaß können auch Nichtmitglieder (zB Mitglieder befreundeter Vereine) das Vereinsfest mittragen, solange diese Mitarbeit ebenso wie bei den Vereinsmitgliedern und deren Angehörigen unentgeltlich erfolgt.
  • Auftritte von Musik- oder Künstlergruppen gelten als unschädlich, wenn diese für Unterhaltungsdarbietungen üblicherweise nicht mehr als 1.000 Euro pro Stunde verrechnen.
  • Die Verpflegung ist grundsätzlich von den Vereinsmitgliedern bereitzustellen. Wird diese teilweise oder zur Gänze an einen Unternehmer (zB Gastwirt) ausgelagert, gilt dessen Tätigkeit nicht als Bestandteil des Vereinsfestes und ist gesondert zu betrachten.
  • Die Dauer solcher Veranstaltungen darf insgesamt 72 Stunden im Jahr nicht übersteigen. Dabei ist bei Vorliegen eines Genehmigungsbescheides oder Anmeldung des Festes auf die darin bezeichneten Stunden abzustellen, in denen eine gastgewerbliche Betätigung ausgeübt wird (Ausschankstunden). Verfügt ein Verein über mehrere rechtlich unselbständige Ortsgruppen, ist die Berechnung der höchstzulässigen Gesamtdauer auf diese Ortsgruppen zu beziehen. Daher dürfen diese jeweils ein kleines Vereinsfest veranstalten. Die kleinste örtliche Zuordnungseinheit stellt dabei die Katastralgemeinde dar.
  • Veranstalten mehrere gemeinnützige Körperschaften gemeinsam ein Fest, ist das Vorliegen eines entbehrlichen Hilfsbetriebes auf Ebene der jeweiligen Körperschaft zu prüfen, wobei für jeden Beteiligten die gesamte Stundenanzahl der geselligen Veranstaltung zu berücksichtigen ist.

Der entbehrliche Hilfsbetrieb selbst ist abgabepflichtig. Er unterliegt daher grundsätzlich der Körperschaftsteuer. Sofern Gewinne aus entbehrlichen Hilfsbetrieben allerdings gemeinsam mit Gewinnen aus allen anderen steuerpflichtigen Tätigkeiten in Summe den Betrag von 10.000 € pro Kalenderjahr nicht übersteigen, sind diese von der Körperschaftsteuer befreit. Hinsichtlich der Umsatzsteuer wird bei einem entbehrlichen Hilfsbetrieb regelmäßig von Liebhaberei auszugehen sein, sodass eine unternehmerische Tätigkeit nicht vorliegt.

Bei „kleinen Vereinsfesten“, die die Voraussetzungen der Barumsatzverordnung 2015 erfüllen, besteht weder Einzelaufzeichnungs-,Registrierkassen- noch Belegerteilungspflicht.

 

 


Keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden.

 

Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel zu kommentieren.