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19.05.2016 / 17:45 / Mag. Nicole Scharinger

Fertighäuser – Pappschachteln von der Stange oder moderne Trendimmobilien?

Schnelle Bauzeit, gute Qualität und Festpreis? Ein Fertighaus hat gegenüber dem Massivhaus viele Vorteile, aber auch einige Nachteile - hier werden die wichtigsten Facts aufgelistet die für bzw. gegen ein Haus aus dem Katalog sprechen.

Bildquelle: Bernd Wachtmeister/pixelio.de

Wer ein neues Haus bauen möchte muss zuerst einige Grundsatzentscheidungen treffen. Eine der ersten wird sein, ob ein Massivhaus oder ein Fertighaus erstellt wird. Die vermeintliche „Pappschachtel von der Stange“ hat gegenüber dem Massivhaus viele Vorteile, aber auch einige Nachteile. Hier werden die wichtigsten Facts aufgelistet, die für bzw. gegen ein Haus aus dem Katalog sprechen.

Fertighäuser werden im Normalfall von einem einzigen Hersteller errichtet und schlüsselfertig übergeben – der deutlich bequemere Weg als bei einem Massivhaus, da für sämtliche Fragen ein kompetenter Partner zur Verfügung steht. Außerdem gibt es am Fertighausmarkt viele Anbieter und man kann den „Prototyp“ seines Traumhauses vorher in einem Musterhauspark bequem unter die Lupe nehmen. Ein ganz großer Vorteil des Fertighauses ist die kurze Bauzeit. Sind Keller oder Bodenplatte fertig wird das neue Eigenheim oft in nur einem Tag errichtet. Ein Grund dafür besteht darin, dass beim Bau eines Fertighauses keine Baufeuchte entsteht und somit die zeitintensivere Austrocknung entfällt. Die Bildung von Nässe und Schimmel ist daher gering.

Charakteristisch für ein Fertighaus ist die vorgefertigte Grundkonstruktion. Die derzeit gängigste Bauform des Fertighauses ist die industriell produzierte Holztafelkonstruktion, die dann auf die Baustelle transportiert und vor Ort montiert wird. Seltener vertreten sind Fertig-Massivhäuser. Diese gibt es einerseits als fertige Ziegelwände die bereits im Werk zu großen Elementen verklebt wurden. Die Wände entsprechen dabei einem Massivhaus, punkten aber durch schnellere Bauzeit. Auch handelt es sich bei Fertighäusern nicht mehr zwangsweise um seriengefertigte Billigcontainer von der Stange auf deren Bauweise man keinen Einfluss nehmen kann. Die Zahl der individuell und werthaltig gebauten Fertighäuser nimmt stetig zu.

Nun zu den Nachteilen. Im Vergleich zum Massivhaus ist ein Fertighaus bei weitem nicht so wertbeständig und schneidet auch bei der Wärmedämmung schlechter ab. Massivhäuser gelten als besonders langlebig, sie sind die Klassiker unter den Haustypen und werden schon seit Jahrhunderten als beliebte Bauform verwendet. Sie bestehen aus natürlichen sowie massiven Baustoffen wie Stein und Beton. Das Mauerwerk ist daher anspruchsvoller als die dünnen Holzwände des Fertighauses. Während Massivhäuser heute eine angenommene Nutzungsdauer von 100 Jahren und mehr besitzen sind es bei Fertighäusern je nach Ausführung zwischen 60 und 90 Jahre. Das schlägt sich natürlich auch auf den Wiederverkaufswert nieder. Nach rund 30 Jahren Nutzungsdauer ist ein Fertighaus kaum mehr zu verkaufen da es komplett an Wert verloren hat.

Die Räume eines aus Beton gefertigten Hauses werden auch nicht so schnell aufheizen und abkühlen wie es bei einem vergleichsweise schlechter isolierten Holzhaus der Fall ist. Darüber hinaus muss hier auch das Risiko eines Ungezieferbefalls einkalkulieren, was eine entsprechende Behandlung der Holzmaterialien erfordert. Bei einem Fertighaus sind sowohl die Luftaustauschmöglichkeit wie auch die Brandschutzbeständigkeit geringer. Das kann zu gesundheitsschädlichen Ausdünstungen und damit einem schlechteren Raumklima führen. Wie bereits erwähnt lässt die Fertigbauweise mittlerweile auch Spielraum für individuelle Gestaltungsmöglichkeiten. Diese sind jedoch nicht im Fixpreis enthalten. Bauherren mit Abweichungsbedarf vom Grundriss müssen mit hohen Zusatzkosten rechnen.

Fazit: Wer über ein geringeres Budget verfügt und wenig Zeit für den Hausbau investieren will wird sich eher für ein Fertighaus entscheiden. Vorteile für Zahlungskräftigere Bauherren werden natürlich auch ein Massivhaus mit ihrer individuellen und langlebigen Bauweise in Betracht ziehen. Wichtig ist, dass man seine individuellen Bedürfnisse kennt und am Ende mit der Wahl der Bauweise zufrieden sein kann.


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