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30.10.2015 / 16:06 / Mag. Nicole Scharinger

Protest gegen Wachstum nach oben

Hochhäuser waren früher einmal Zeichen von Internationalität und Innovation. Mittlerweile machen sich Anrainer immer öfter gegen eingeschränkte Sicht, fehlende Umweltverträglichkeit oder mangelndem Geschmack mobil. Doch die Politik ist sich einig - man brauche Wohnraum!

Bildquelle: Wolfgang Dirscherl / pixelio.de

Vor etwas mehr als 80 Jahren entstand in Wien das erste Hochhaus – und provozierte damals schon die Menschen, obwohl es „nur“ 50 Meter hoch war. Das tat seiner Anziehungskraft keinen Abbruch; Prominente von Oskar Werner über Paula Wessely bis hin zu Christoph Waltz haben sich seither in dem Haus in der Herrengasse wohlgefühlt. Heute zählt es zu den nobelsten Wohnadressen.

Eine herausragende Adresse ist jüngst auch mit dem DC Tower, dem höchsten Büroturm Österreichs, entstanden. Allein 20.000 Quadratmeter an Bürofläche werden dort durch die BAR vertrieben. Doch noch könnte die Vermietung in dem Landmark höher sein. Das ist gut und schlecht für den geplanten Verkauf des Towers. Aktuell gibt es sieben Interessenten dafür – je mehr Mieter, umso besser; aber je weniger, desto billiger fällt wohl der Preis aus. Deshalb arbeitet man nun mit Hochdruck daran, mehr als 50 Prozent der Einheiten an den Mann zu bringen. Seit beinahe zwei Jahren ist der DC Tower nun fertiggestellt, bis Ende 2016 plant man, dass 95 Prozent der Flächen bewohnt beziehungsweise „bearbeitet“ werden.

Das führt nun auch dazu, dass der vorgesehene zweite Turm – zumindest vorerst – nicht gebaut wird. Denn wenn der erste unzureichend vermietet ist, ist eine weitere Flächenexpansion sinnlos. Fraglich ist, ob das Senken der Quadratmeterpreise für Mieter von 17 auf 14,50 Euro eine Änderung bewirken wird. Die Menschen, die dort arbeiten, sind zweigeteilt, ob ihnen das Innen- und Außenleben des Wolkenkratzers gefällt. Die einen finden die Architektur großartig, die anderen stoßen sich am kalten Wind, der Baustelle vor der Haustüre und der improvisierten Eingangszone. Das wird sich freilich alles noch ändern. Recht eindeutige Stimmen kommen aus dem Hotel Melia, ebenfalls Teil des DC Towers. Die Zimmer dort sind gut gebucht, auch Stammgäste konnten seit dem Start bereits lukriert werden. Sie steigen hauptsächlich für Konferenzen in der benachbarten UNO-City im „Melia“ ab.

Ob es da sinnvoll ist, die Donauplatte weiter zu bebauen? Geplant sind nämlich 520 Danube Flats, deren Aufgabe unter anderem darin bestehen soll, das Viertel zu beleben. Bei 150 Metern Höhe gehen die Projektentwickler aktuell von einer Gesamtnutzungsfläche von rund 38.000 Quadratmetern aus. 2016 will das Entwicklungsunternehmen Soravia mit der Errichtung beginnen, Bauende soll den aktuellen Planungen zufolge 2018/2019 sein. Und Soravia ist auch für Triiiple im 3. Wiener Gemeindebezirk verantwortlich. Die Türme entstehen am Standort des ehemaligen Hauptzollamtes bis 2021. Geplant sind rund 800 neue Wohnungen plus Büro- und Gewerbeflächen. Neu sind diese Pläne allerdings nicht. Denn bereits seit 2014 wartet man auf den Spatenstich für das Bauprojekt, dessen Aufschiebung der Bürgerinitiative „Initiative Kaisermühlen“ zuzurechnen war. Doch die Politik schaut auf die prognostizierten Zuwanderungszahlen und braucht Wohnraum. Und eines steht fest: Wohnen im Hochhaus war in Wien bislang keine Kategorie, nun könnte sich das verändern.

Auch in Linz wird übrigens gegen ein Hochhaus protestiert – genauer gesagt gegen eines am Rand des Bulgariplatzes. Während sich Rot und Blau auf das 66 Meter hohe Gebäude geeinigt hatten, waren Schwarz und Grün dagegen – einerseits wegen des Verkehrs, andererseits wegen der Maximalhöhe von 26 Metern in dieser Gegend. Auch Bürger gingen dafür auf die Barrikaden, offenbar vergeblich. Der Bau kommt.

In Salzburg hat sich die Politik ebenfalls für Hochhäuser ausgesprochen, obwohl in den vergangenen Jahren vor allem gegen eine Neugestaltung des Franz-Rehrl-Platzes demonstriert worden war. Dort sollten fünf Baukörper, bis zu 17,90 Meter hoch, mit rund 50 Eigentumswohnungen und Geschäften neben dem Unfallkrankenhaus entstehen. Der aktuelle Stand ist unklar. Klar ist hingegen, dass es noch weitere Hochhäuser in Salzburg gegeben wird. In der Elisabeth-Vorstadt und in Itzling ist sogar eine ganze Reihe neuer Hochhäuser geplant – auf ehemaligen Grundstücken von ÖBB und Post.


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