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Top oder Flop? Es liegt nicht am Job, es liegt an der Führungskraft

Gallup Index 2016 zu Mitarbeiterbindung

„Mein Job ist ja ganz okay – aber der Chef ist unmöglich.“ Aussagen wie diese sind im Arbeitsleben keine Seltenheit. Dass Engagement und emotionale Bindung ans Unternehmen hauptsächlich von den Führungskräften abhängen, zeigt der aktuelle Gallup Engagement Index. Der Haken: Was die Qualität der Führungsarbeit betrifft, klaffen Wunsch und Realität meist sehr weit auseinander.

Schlechtes Führungsverhalten kostet Mitarbeitern Nerven und Arbeitgebern Geld. Innere Kündigung, Dienst nach Vorschrift, Arbeitnehmerkündigungen und die oft langwierige Nachbesetzung vakanter Stellen bringen beachtliche finanzielle Einbußen mit sich: In Deutschland sind es rund 105 Milliarden jährlich. Errechnet hat das der aktuelle Gallup Engagement Index für Deutschland. Der Report hat erfragt, wie es um die Zufriedenheit der Arbeitnehmer steht und wie stark sie sich ihrem Arbeitgeber verbunden fühlen.

Trotz Zufriedenheit geringe Bindung

Grundsätzlich ist die Stimmung unter den Arbeitnehmern gut: Sie sind zufrieden mit ihrem Leben, bewerten die wirtschaftliche Lage als positiv und haben kaum Angst, ihren Job zu verlieren. Trotzdem ist die Mehrheit emotional nicht an ihren Arbeitgeber gebunden. Die Folge von „Dienst nach Vorschrift“: weniger Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und Verantwortungsbereitschaft. Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gallup Index für 2016:

Das sinkende Schiff ist nicht mein Problem

Wenig engagierte Arbeitnehmer schweigen häufiger zu Fehlentwicklungen im Unternehmen. Im Zeitraum eines Jahres hat jeder dritte Mitarbeiter mindestens einmal den Gang zum Chef vermieden und schwere Bedenken für sich behalten. Bei den Arbeitnehmern ohne emotionale Bindung ans Unternehmen ist es sogar jeder Zweite.

Mehr Arbeitnehmer auf Jobsuche

Die geringe Bindung an den Arbeitgeber führt zu höherer Fluktuation. Nur 31 Prozent der Arbeitnehmer mit wenig Bindung sehen sich in drei Jahren noch im selben Unternehmen. Jeder Dritte ist bereits aktiv auf Jobsuche. Im Vergleich dazu ein Blick auf die Gruppe der Mitarbeiter, die eine engere Bindung an den Arbeitgeber aufweisen: 84 Prozent denken, in drei Jahren noch den gleichen Job zu machen.

Zuversicht auf der Jobsuche

Unterstützt wird die Wechselbereitschaft durch die gute Konjunktur. Die Arbeitnehmer sind zuversichtlich, schnell einen neuen Job zu finden. Fast zwei Drittel der Befragten rechnen sich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt aus. 16 Prozent der Beschäftigten wurden im vergangenen Jahr von Headhuntern kontaktiert.

Arbeitgeber setzen auf falsche Maßnahmen

Der Wille, Arbeitnehmer an das Unternehmen zu binden, ist bei vielen Arbeitgebern da. Es scheitert allerdings an den falschen Maßnahmen. Faktoren wie gutes Gehalt, Sozialleistungen oder flexible Arbeitszeit wirken sich zwar positiv auf Mitarbeiter aus, haben auf langfristige Bindung aber nur geringen Einfluß. Was Mitarbeiter wirklich zufriedenstellt, ist z.B. die Möglichkeit das zu tun, was sie wirklich gut können. Eine als sinnvoll empfundene Tätigkeit, die Kollegen und ein guter Führungsstil sind entscheidende Dinge.

Kündigungsgrund: Führungskraft

Sich selbst stellen die Führungskräfte ein gutes Zeugnis aus – nicht ganz zu Recht. Denn Wunsch und Realität klaffen beim Thema Führungsqualität weit auseinander. Nur jeder fünfte Befragte fühlt sich durch die erlebte Führung zu hervorragender Leistung motiviert. 18 Prozent haben in den letzten zwölf Monaten bereits daran gedacht, aufgrund ihrer direkten Führungskraft zu kündigen. Die Vorgesetzten sind sich ihrer Defizite allerdings nicht bewusst: 97 Prozent halten sich selbst für einen guten Chef. So haben 2016 auch nur 40 Prozent der Führungskräfte eine Weiterbildung besucht, um den Umgang mit ihren Mitarbeitern zu verbessern.


Über den Engagement Index Deutschland

Gallup erstellt den Engagement Index seit 2001 jährlich anhand von Fragen zu Arbeitsplatz und -umfeld. Die repräsentative Studie gibt Auskunft darüber, wie hoch der Grad der emotionalen Bindung von Mitarbeitern und damit das Engagement und die Motivation bei der Arbeit ist. Für die jüngste Untersuchung wurden insgesamt 1.413 zufällig ausgewählte Arbeitnehmer in Deutschland ab 18 Jahren telefonisch interviewt.

Bildnachweis: jehsomwang/Shutterstock

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Leitfaden für das perfekte Stelleninserat – 5 wichtige Faktoren

Leitfaden perfektes Stelleninserat

Frage: Was macht ein gutes Stelleninserat aus? Antwort: Alles, das dafür sorgt, dass ein passender Mitarbeiter rekrutiert werden kann – und zwar möglichst schnell und so kostengünstig wie möglich. Diese fünf Faktoren sollten für eine erfolgreiche Stellenausschreibung beachtet werden. Wir liefern außerdem einen umfassenden Leitfaden rund ums Thema „Das perfekte Stelleninserat“.

Wording, Zielgruppen, SEO, Design, Mobile-Optimierung…Bahnhof? Für ein gelungenes Stelleninserat gibt es einige Dinge zu beachten und die Anforderungen für eine ausgeschriebene Stelle bleiben nicht statisch. Diese fünf Faktoren sollten für ein reichweitenstarken Stelleninserat im Blick behalten werden:

1. Print vs. Online

Ob Urlaub, Elektrogerät oder Job – heute sucht man online und zwar altersgruppenunabhängig. Obwohl Print für viele Unternehmen als zusätzliche Option wohl noch lange nicht aus der Mode kommen wird, ist es doch schon längst das Online-Stelleninserat, das für viel Reichweite und die richtige Zielgruppen-Ansprache sorgt. Ob Nischen-Jobbörse oder großes Online-Karriereportal: Mit Stelleninseraten, die online geschalten werden, wird die gewünschte Zielgruppe viel einfacher erreicht.

2. Google als bester Freund

Das Zauberwort SEO (Search Engine Optimization) kann für das Online-Inserat einiges bewirken. Das Ranking in Suchmaschinen wie Google kann dazu wesentlich beitragen. In der Praxis sieht das folgendermaßen aus: Googelt jemand etwa „Vertrieb Linz“, werden zu diesen Keywords passende Jobs in der Liste der Suchergebnisse angezeigt. Unklarheiten etwa durch stereotype Formulierungen (Marketing-Guru, Vertriebs-Rockstar etc.) sollten hier tunlichst vermieden werden.

3. Mobile Herausforderung

Beinahe jeder hat heute ein Smartphone und das ersetzt zunehmend PC und Laptop – das betrifft natürlich auch die Jobsuche. Mittlerweile klickt sich ein Drittel der Jobsuchenden bereits am Handy durch Jobangebote. Um möglichst viele Jobsuchende zu erreichen, sollte eine optimale Ansicht der Stellenanzeige auf allen Screens gewährleistet werden. Das heißt: Sich rüsten und die Stellenanzeigen mobilfit machen.

4. Rechtliche Vorgaben

So frei man in manchen Bereichen punkto Kreativität im Stelleninserat sein darf, so gebunden ist man in mancher Hinsicht, was rechtliche Vorgaben betrifft. Um Bußgelder zu vermeiden, sollten Sie im Stelleninserat darauf achten:

Gehaltsangabe im Stelleninserat

Unternehmen oder Organisationen sind seit 2011 verpflichtet, in Inseraten eine Angabe zum geltenden Mindestgehalt laut Kollektivvertrag anzugeben. Die einfachste Form einer gesetzeskonformen Gehaltsangabe sieht folgenderweise aus:

Für die ausgeschriebene Position gilt ein KV-Mindestgrundgehalt von monatlich x.xxx Euro brutto.

Gendern im Stelleninserat

Laut einer EU-Richtlinie müssen Berufsbezeichnungen in Stelleninseraten „geschlechtsneutral“ sein. Das gilt im Übrigen nicht nur für die Ausschreibung eines Jobs, sondern auch für die Einstellung, den Abschluss eines Arbeitsvertrags oder die Begründung des Arbeitsverhältnisses (beispielsweise wenn ein abgelehnter Bewerber nachfragt, warum man sich nicht für ihn entschieden hat).

5. Text und Bild – beste Freunde?

Ein Bild sagt mehr als tausend Wort – gerade in Zeiten von Instagram & Co. Dennoch gewinnt der Faktor Text zunehmend an Relevanz zurück. Denkt man an die vielen Jobsuchenden, die über mobile Devices wie Handy oder Tablet nach einer Arbeitsstelle suchen, muss man auch die Usability mitdenken. Je mehr Bild, umso unübersichtlicher und weniger Information kann auf dem kleinen Bildschirm transportiert werden. Sucht man mobil (und das tut immerhin bereits ein Drittel) wünscht man sich die wichtigsten Informationen auf einen Blick.

P.S. Das heißt nicht, dass man vollkommen auf Bilder verzichten soll: Das Unternehmenslogo und ein (!) aussagekräftiges Bild zu Mitarbeitern oder Unternehmenskultur runden eine gute Stellenanzeige ab.

Leitfaden zum perfekten Stelleninserat: Umfassendes Whitepaper

Whitepaper StelleninseratMehr Infos und Details gewünscht? Zu finden im brandneuen kostenlosen Whitepaper rund um das „perfekte Stelleninserat“ – inklusive:

  • 7 Schritte zum perfekten Stelleinserat
  • Profitipps für mehr Reichweite, passende Bewerber und minimierte Kosten
  • Cheatsheet: Der kleine Schummelzettel fürs ideale Online-Stelleninserat

Bildnachweis: Alexander Chaikin / Shutterstock; Grafik: karriere.at

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Homeoffice mit Kleinkind: Survival-Guide für Job und Kinder

So klappt Homeoffice mit Kleinkind

Homeoffice mit Kleinkind ist ungefähr so wie Einkaufen mit Hunger: Man braucht einen guten Plan, sonst ist man am Ende vollgeschmiert mit Schokolade und realisiert spätestens am nächsten Tag, dass man fast nichts von dem erledigt hat, was man wollte. Ein Survival-Guide für Job und Kinder:

Eines sei vorweg gesagt: Nicht jeder Arbeitgeber, aber auch nicht jeder Job, lassen ein Arbeiten im Homeoffice zu. Glücklich also, wer diese Chance des flexiblen Arbeitens nutzen kann. Und auch, wer das Vertrauen von Chef und Kollegen genießt. Denn am Ende des Tages sollte es nur die Leistung sein, die zählt. Dass diese zu erbringen im Homeoffice sogar deutlich schwieriger sein kann, als im richtigen Office, das habe ich bereits am ersten Tag mehr als deutlich gespürt. Denn wer kleine Kinder zu Hause hat, der weiß, dass eigentlich nichts nebenbei geht. Konzentriert Arbeiten erst recht nicht.

Ein Plan mit doppeltem Boden muss her

Es braucht also einen Plan, und zwar einen guten mit mindestens doppeltem Boden und Sicherheitsnetz. Bei uns sind gleich in der zweiten Arbeitswoche drei von fünf möglichen Betreuungspersonen wegen Grippe ausgefallen und da merkt man dann schnell, dass Laptop und Einjähriger keine, wirklich gar keine gute Idee sind und dass der Satz „Dann arbeite ich halt am Abend, wenn die Kinder im Bett sind“ in manchen Situationen nicht mehr als ein guter Witz sein kann. Nicht selten schlafe ich nämlich Abends mit den Kindern mit ein. Ja, mein Leben war diesbezüglich schon mal aufregender. Aber, zurück zur Sache: Hier meine erprobten und empfohlenen Tipps für alle Mamas und Papas im Homeoffice:

Tipps für Mamas und Papas im Homeoffice

  • Hilfe holen und annehmen: Wer von zu Hause aus arbeitet, sollte sich für sensible Arbeitsphasen unbedingt rechtzeitig Hilfe organisieren und diese auch annehmen: Denn freilich, es gibt Tätigkeiten, die sich leicht unterbrechen lassen und die man zeitunabhängig erledigen kann. Es gibt aber auch Situationen, etwa Telefonkonferenzen, die sich nicht verschieben lassen und wo der Druck, erreichbar zu sein, groß ist. Gerade wenn man dankbar für die Chance auf Homeoffice ist, möchte man nicht der Grund für verpasste Meetings und dergleichen sein. Besonders wichtig ist dies für Eltern, deren Kinder noch sehr klein sind bzw. nicht auswärts betreut werden.

Mit Kindern kommt es immer anders, als man denkt

  • Spontan bleiben: Nehme ich mir vor, am Abend zu arbeiten, ist das zu 99 Prozent der Abend, an dem das Zubettgehen ewig dauert und ich entweder selbst dabei einschlafe oder aber danach so ko bin, dass nichts mehr geht. Plane ich, während dem Mittagsschlaf der Kinder zu arbeiten, dann wecken sie sich genau an diesem Tag gegenseitig auf oder schlafen ausnahmsweise komplett zeitversetzt, so dass von sechs Uhr früh bis neun Uhr abends zumindest einer immer wach ist. Was ich damit sagen will: Auch oder gerade im Homeoffice mit Kleinkindern muss man spontan bleiben und dann arbeiten, wenn es die Situation zulässt. Ich nehme mir gerne einen Arbeitstag Anfang der Woche vor, damit ich Notfalls nach hinten ausweichen kann.

Laptop mit der nötigen Software

  • Die richtige Infrastruktur: Je nach Job und Aufgabe braucht man gewisse Voraussetzungen, um sinnvoll von zu Hause aus arbeiten zu können. Es macht wirklich Sinn, vorab zu schauen, dass alles, was man zum Arbeiten braucht, auch wirklich funktioniert. Ein Laptop mit der für den Büroalltag nötigen Software – falls nötig mit direkter Verbindung zum Firmenserver – ist dabei Pflicht.

Der Couchtisch ist kein (!) guter Schreibtisch

  • Der Arbeitsplatz im eigenen Heim: Zum entspannten Arbeiten gehört aber auch ein richtiger Arbeitsplatz: für kurze Tätigkeiten ist der Couchtisch vielleicht ok, wer Kreuzschmerzen hat, sollte sich unbedingt gleich nach einer vernünftigen Lösung umsehen. Gerade dann, wenn aus dem einstigen Arbeitszimmer in der Wohnung ein Kinderzimmer geworden ist, ist Kreativität gefragt. Oft lassen sich schon mit einfachen Mitteln kleine Arbeitsplätze in Schlaf- oder Wohnzimmer einrichten. Wer mehr Platz hat, wird sich sicher über die Möglichkeit freuen, in kindersicherer Höhe arbeiten und Unterlagen etc. auch einmal liegen lassen können. Kindersicher deshalb, weil, auch aus eigener Erfahrung, der Saft auf der Arbeitsmappe ist kein Mythos. Ebensowenig wie der Laptopsturz durch neugieriges Ziehen am Ladekabel.

Homeoffice spart und raubt Zeit

  • Arbeitszeiten: Homeoffice ist toll, weil Homeoffice spart viel Zeit: Keine Arbeitswege, kein Stau, und, ja, kein schickes Anziehen, wenn man es nicht möchte. Aber Homeoffice kann auch gefährlich für die Freizeit sein, weil, anders als beim Büro kann ich meinen eigenen vier Wänden nach Feierabend oder an den Wochenenden nicht den Rücken kehren. Daher: auf die Arbeitszeiten achten, mitschreiben, wie viel man tatsächlich arbeitet und unbedingt darauf achten, den Kopf nach erledigter Arbeit wirklich auszuschalten und frei zu sein für Familie, Freunde und – was man gerne einmal vergisst – sich selbst.

Der Geheimtipp für konzentriertes Arbeiten trotz Kind

  • Der ultimative Tipp für fünf Minuten Ruhe: Springt der Babysitter in letzter Minute ab oder kommt ein unerwarteter Task ins Haus, muss man als Elternteil manchmal tief in die Trickkiste greifen, um sich kurz entbehrlich zu machen. Hier mein absoluter Geheimtipp: Eine Schachtel mit „verbotenem“ Spielzeug bereithalten, dass es nur ins ganz besonderen Ausnahmefällen gibt. Was da so alles drin sein kann? Alles, Hauptsache ungefährlich. Unser Kleiner lässt sich mit einer Rolle Toilettenpapier gut beschäftigen, die Große dann, wenn man ihr erlaubt, eine Rolle Tixoband abzurollen oder aber, wenn sie ihre Hände (Kinderfarben, wohl gemerkt) anmalen darf. Und ja, das Handy von Mama oder Papa zum Foto schauen ist natürlich auch immer der Hit. In diesem Sinne: gutes Arbeiten!

Bildnachweis: Frenner/karriere.at

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Niemals genug: Wie uns das Streben nach Glück unglücklich macht

Hedonistische Tretmühle und der Ausstieg

Wer sich öfter denkt „Früher war alles besser!“ oder nicht mehr weiß, wann er seinen letzten Erfolg richtig gefeiert hat, der steckt vermutlich in der hedonistischen Tretmühle fest. Was es damit auf sich hat, warum wir uns damit privates und berufliches Glück verbauen und wie man den Ausstieg schafft, weiß Psychologin Christa Schirl.

Der Geschäftsführer renoviert aufwändig sein Büro, der Abteilungsleiter verhandelt um einen neuen Dienstwagen und der Kollege schiebt Überstunden, um sich bis zum Sommer seinen Swimmingpool zu finanzieren. Was diese Dinge gemeinsam haben ist, dass sie ihre Käufer glücklich machen – zumindest kurzfristig. Denn die Büroeinrichtung ist in ein paar Jahren schon wieder out, der Dienstwagen Modell von vorgestern und die Erhaltung des Pools frisst hauptsächlich Zeit und Geld.

„Wer immer nach mehr strebt, der kommt nie an.“

Als „hedonistische Tretmühle“ bezeichnet man die Tendenz, nach Erreichen eines erhöhten Glücklevels schnell wieder auf den Normalzustand zurückzufallen. Die Folge: Beim Versuch, möglichst viele Glücksmomente zu erhaschen, bleibt das Leben auf der Strecke. „Wenn ich ständig nach mehr strebe, trete ich irgendwann auf der Stelle und komme nie an. Auch, wenn ich die schönste oder beste Version einer Sache besitze, wird es irgendwann etwas geben, das besser oder schöner ist“, erklärt Christa Schirl. Das geschieht auch abseits materieller Dinge. „Menschen können z.B. ihre Erfolge nicht mehr feiern, weil sie sofort nach mehr trachten. So gelangt man in einen Kreislauf, aus dem man schwer wieder herauskommt“, so die Psychologin.

Während es im Privatleben oft materielle Dinge sind, nach denen man sich sehnt, sind es im Job Statussymbole oder Meilensteine, die andere bereits erreicht haben: Noch eine neue Filiale, eine neue Werkshalle, das neueste Modell beim Firmenwagen, der hohe Bonus.

Der Schritt in die Tretmühle…

„In diese Situation gelangen wir, weil wir uns mit anderen vergleichen“, sagt Schirl. „Mein Haus hat einen Whirlpool, der Nachbar bekommt einen Schwimmteich. Den möchte ich auch, also erreiche ich das. Dann kauft sich der Nachbar noch eine Sauna – die will ich auch. Dafür muss ich Geld verdienen, in dieser Zeit kann ich Whirlpool und Schwimmteich jedoch gar nicht genießen – und so dreht sich die Spirale immer weiter“, erzählt die Psychologin.

Sich zu vergleichen sei aber nicht grundsätzlich schlecht. Solange der Vergleich mit anderen und die Zielsetzung danach bewusst passieren, läuft man nicht Gefahr, in die Tretmühle zu gelangen.

…und der Ausstieg aus dem Hamsterrad

Der Ausstieg aus der hedonistischen Tretmühle gelingt nicht von heute auf morgen, ist aber schaffbar. Dabei helfen folgende Fragestellungen:

  • Was besitze ich? Was habe ich beruflich bereits erreicht?
  • Wieviel Lebensenergie und Zeit stecke ich in das, was ich habe?
  • Ein Blick auf materielle Dinge: Benutze ich alles, was sich in meinem Besitz befindet?
  • Welchen Preis bin ich bereit zu bezahlen, wenn ich eine bestimmte Sache erreichen möchte?
  • Was möchte ich nur, weil es jemand anderer auch hat? Möchte ich jemanden übertrumpfen?
  • Ist der Weg, den ich gehe, noch aktuell? Richtungswechsel sind völlig legitim!

Ein Kardinalfehler, der uns immer wieder in die Tretmühle zurückbefördert, ist laut Schirl die falsche Perspektive: „Niemals zurückschauen, immer im Hier und Jetzt leben. In der Psychologie sprechen wir von einem ‚Rückschaufehler‘: Früher war alles einfacher. Im alten Job ging es mir viel besser – so war es nicht, es war nur anders. Ständiges Zurückschauen auf das, was man einmal hatte, macht unzufrieden. Das Leben findet im Hier und Jetzt statt.“

Bildnachweis: igorstevanovic/Shutterstock

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HR neu denken: „Recruiting ist mindestens so relevant wie Vertrieb“

Umdenken: HR-Arbeit der Zukunft

Bewerber, die kurz nach der Jobzusage wieder abspringen oder Mitarbeiter, die sich in der Probezeit doch nicht als passendes neues Teammitglied herausstellen: Diese Probleme sind oft hausgemacht und solange Recruiting und HR-Arbeit in vielen Unternehmen ein Dasein als Stiefkind fristen, scheitert es bereits an den Basics. Wir haben bei der ehemaligen Headhunterin und Potenzialberaterin Brigitte Herrmann nachgefragt: Was muss sich im Recruiting ändern?

Der beste Bewerber ist nicht immer der richtige

Brigitte Herrmann

Brigitte Herrmann

Schlecht strukturierte Recruiting-Prozesse, unklare Anforderungen und eine HR-Abteilung, die unter Zeitdruck die Interessen vieler Beteiligten im Unternehmen jongliert: Was die Personalsuche und -auswahl betrifft, läuft es bei vielen Arbeitgebern gar nicht rund. Die Folge: Enttäuschte Bewerber, Fehlbesetzungen und jede Menge Potenzial, das auf der Strecke bleibt. In ihrem Buch „Die Auswahl“ beschäftigt sich Brigitte Herrmann mit der oft traurigen Recruiting-Realität in Unternehmen und zeigt Lösungen für zukunftsfähige HR-Arbeit. Denn eine starke Recruiting-Kultur bestimmt den Unternehmenserfolg maßgeblich mit. Im Gespräch mit Brigitte Herrmann über neue Recruitingwege und Umdenken in der HR-Arbeit:

Was muss „neues Recruiting“ anders machen und wo besteht Ihrer Meinung nach Handlungsbedarf?

Herrmann: Ein zukunftsfähiges Recruiting braucht vor allem eines, einen kompletten Paradigmenwechsel – und zwar in vielerlei Hinsicht. Viele Unternehmen glauben noch immer, Personalgewinnung läuft so nebenher und wundern sich dann, wenn sie ihre Stellen nicht besetzen können. Dabei ist Recruiting in seiner Relevanz mindestens so wichtig wie der Vertrieb. Somit steht an erster Stelle eine klare Priorisierung innerhalb der eigenen Organisation. Gefolgt von einem Richtungswechsel im Suchmodus. Denn klassisch vakanzorientiertes Recruiting, bei dem es darum geht, für eine bestimmte Stelle den idealen Kandidaten zu finden, funktioniert schon heute größtenteils nicht mehr.

Künftig gilt stattdessen, dass der Job zum Menschen passen muss, nicht umgekehrt. Daraus resultiert nicht nur eine neue Sicht auf den Bewerber, sprich den Menschen als Ganzes mit seinen Stärken und Potenzialen, sondern auch eine Umwandlung der definierten Stellenprofile in Rollenprofile. Und last but not least geht es um die Modernisierung der Such- und Auswahlprozesse im Kontext von Employer Branding, stärkenbasiertem Recruiting und auch dem sinnvollen Nutzen digitaler Möglichkeiten.

Vom Bewerber zum gleichberechtigten Partner

Vom Arbeitgeber-Markt zum Arbeitnehmer-Markt: Ich habe den Eindruck, Arbeitgeber denken langsam um. Geht es noch zu langsam voran?

Herrmann: Man darf nicht unterschätzen, dass Personalsuche und -auswahl vor den wohl komplexesten Herausforderungen seit Jahrzehnten steht. Dabei geht es nicht nur um Demografie, Digitalisierung und Diversity, sondern – im Hinblick auf die Arbeitswelt von morgen – vielmehr um ein übergeordnetes ganz neues Verständnis von Arbeit und derer, die sie leisten. Doch die bisher gelebte „post & pray“-Mentalität ist noch immer in den Köpfen. Dabei kann es sich kein Unternehmen mehr leisten, selbst als gönnerhafter Arbeitgeber aufzutreten und Bewerber quasi als Bittsteller zu behandeln.

Die Umkehrung der Macht könnte man auch sagen, denn nicht mehr die Unternehmensbedürfnisse, sondern viel mehr die Bedürfnisse der Interessenten rücken in den Fokus. Mehr und mehr sollten diese als gleichberechtigte Business-Partner gesehen und behandelt werden, was zum Beispiel bedeutet, dass sämtliche Recruiting-Touchpoints, also jeglicher Kontakt im gesamten Prozess stets auf Augenhöhe stattfindet. Einige Unternehmen sind da schon sehr gut unterwegs. Aus meinen Projekten und Beratungen weiß ich aber auch, dass ein Großteil der Arbeitgeber hier noch sehr viel Luft nach oben hat.

Wieso fällt der Abschied von den alten Methoden offensichtlich so schwer?

Herrmann: Die Macht der Gewohnheit macht es einerseits schwer, etablierte Prozesse und Tools, die doch Jahrzehnte vermeintlich gut funktioniert haben, über Bord zu werfen. Viele scheuen Veränderung auch mangels der Kenntnis neuer Ansätze und Methoden. HR-Manager haben oftmals einfach nicht selbst aktiv nach neuen Trends und Impulsen gesucht. Das liegt auch an den meist sehr engen Leitplanken, wenn es um Kosten-Nutzen-Aspekte geht. In einem so elementar wichtigen Bereich wie Personalgewinnung verhindert das dann leider Entwicklung und Innovation. Viel zu lange standen beispielsweise hauptsächlich die Kompetenzen eines Bewerbers im Fokus, erst seit einigen Jahren werden auch Aspekte der Persönlichkeit berücksichtigt.

Heute wissen wir, dass das Thema Persönlichkeit deutlich weiter geht und damit auch ganz wesentlich die individuellen Stärken und Interessen einen Menschen umfasst. Genau hier setzt das Konzept des stärkenbasierten Recruitings mit seinen Tools an. Ziel ist dabei, die ausgeprägten positiven Eigenschaften eines Menschen – seine Stärken – zu ermitteln. Der Vorteil: Wir erkennen, ob ein Interessent damit eine Aufgabe nicht nur bewältigen kann, sondern vielmehr mit Begeisterung bewältigen will.

„Eine Puzzlekarriere kann wertvoller sein als der geradlinige Werdegang eines Branchenprimus.“

Auf der Suche nach dem idealen neuen Mitarbeiter: Wird an der Realität „vorbei rekrutiert“ – und warum?

Herrmann: Unternehmen suchen gern den idealen Mitarbeiter, die eierlegende Wollmilchsau. Dabei liegt der Fehler oft schon in der unklaren Definition des vermeintlichen Ideals, sprich im Anforderungsprofil mit zu engen oder falschen stereotypen Filtern. Zudem werden gern als erstes die Bewerber mit den fehlenden oder „falschen“ Ausbildungsabschlüssen und Fachkompetenzen ausgesiebt, ohne zu berücksichtigen, dass eine Puzzlekarriere wertvoller sein kann als der geradlinige Werdegang eines Branchenprimus. Diese Formen von Bewertung oder gar Vor-Verurteilung sind fatal und führen im schlimmsten Fall dazu, dass genau jene aussortiert werden, die hinsichtlich ihrer Stärken und ihres Potenzials genau die Richtigen wären. Das ist eine Sackgasse, denn in der Arbeitswelt wird es immer weniger auf klassische Kompetenzen ankommen, sondern vielmehr auf das Potenzial, also die individuelle Entwicklungsfähigkeit eines Menschen. Der Fokus darf somit nicht mehr nur darauf liegen, denjenigen zu gewinnen, der mit dem bestmöglichen Abschluss und der größten Fachkompetenz die Aufgabe bewältigen kann, sondern denjenigen, der auch wirklich für die Aufgabe brennt.

Was raten sie Arbeitgebern, die bereit sind, ihr Recruiting zu verändern? Welche Handlungsfelder sollten zuerst bearbeitet werden?

Herrmann: Die Priorisierung und die Bereitschaft zum Umdenken sind ein erster wichtiger Schritt. Idealerweise werden dann nicht nur einzelne Elemente wie Stelleninserate & Co., sondern vielmehr der gesamte Prozess in seinen Einzelteilen auf den Prüfstand gestellt. Dabei gilt es zuerst im Detail zu erkennen, was bereits gut läuft. Dann geht es an die Entwicklungsfelder. Hat ein Unternehmen beispielsweise das Problem, dass zu wenig Bewerbungen eingehen, sollte es analysieren, inwieweit es bei den relevanten Zielgruppen überhaupt als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen wird. Das sind sehr individuelle Themen und eine externe Prozessberatung kann positiv unterstützen und begleiten. Zudem sollten im gesamten Auswahlprozess – angefangen von Profil, Ausschreibung, Interview bis zum Onboarding – alle Beteiligten, also auch die Kollegen, gemeinsam überlegen, wer wirklich gebraucht wird, um das bestehende Team bestmöglich zu ergänzen. Wer als Unternehmen dem eigenen Personalbereich dann noch den Weg zu modernen Methoden wie Stärkenanalyse und -Interview, Trendscouting, Networking und sinnvoller Digitalisierung ebnet, hat beste Chancen für ein wirklich zukunftsfähiges Recruiting.


Zur Person

Brigitte Herrmann ist Rednerin, Potenzialberaterin und Autorin. 15 Jahre war sie selbständiger Headhunter und besetzte mehr als 400 Positionen auf Spezialisten-, Führungs- und Management-Ebene – im Topmanagement bis zum Vorstand. Sie ist Inhaberin der Inspirocon Potenzialberatung und Autorin des 2016 erschienenen Wirtschafts-Sachbuches „Die Auswahl“. Als Vortragsrednerin gibt sie zukunftsweisende Impulse zur „Chance Mensch im digitalen Zeitalter“. Sie gehört zu den Top 100 Excellence Speakern in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Bildnachweis: dwori/Shutterstock

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Neid im Job: So kann dir Missgunst die Karriere verbauen

Umgang mit Neid und Missgunst

Mitleid bekommst du geschenkt, Neid musst du dir verdienen. Es ist ein Verdienst, auf den viele am liebsten verzichten würden, denn gut fühlt er sich nicht an, der Neid. Entkommen kann man der Emotion zwar nicht, wie man mit ihr umgeht, liegt aber in unserer Hand. Vom richtigen Umgang mit Neidern und was zu tun ist, wenn sich bei einem selbst der Neid breitmacht:

Unliebsame Begleiter im Job: Neid und Missgunst

Sonja Rieder

Sonja Rieder

Kleine Sticheleien, verpackt in scherzhafte Bemerkungen. Vielleicht auch plötzliche Kritik an der Arbeit. Ist der Kollege etwa neidisch auf mich? Wie damit umgehen? Und was tun, wenn in mir selbst der Neid hochkriecht? Psychotherapeutin und Coach Sonja Rieder über die Ursachen von Neid und den richtigen Umgang mit der unangenehmen Emotion.

Was steckt hinter der Emotion Neid?

Rieder: Neid setzt sich zusammen aus Ärger bzw. Wut und oft auch Traurigkeit. Man ist wütend, weil jemand anderer etwas hat. Selbst hat man das Gefühl, dass man das nicht erreichen kann. Daher kommt auch die Traurigkeit dazu. Folgegefühl davon ist dann die Unzufriedenheit.

Warum sind wir mit der Emotion Neid ausgestattet?

Rieder: Evolutionsbiologisch gibt es den Futterneid, der dem eigenen Überleben diente. Es ist die Angst, nicht genug zu bekommen. Deshalb versucht man, selbst möglichst schnell zuzuschlagen. In unserer Zeit ist das natürlich losgelöst von der ursprünglichen Situation. Für die meisten in unserer Gesellschaft gibt es keinen Grund, neidisch zu sein.

Wir sprechen im Berufs- und Privatleben über viele Emotionen, selten aber über Neid. Warum ist diese Emotion ein Tabu?

Rieder: Es ist sozial einfach nicht erwünscht. Hier spielt sicher auch unsere christliche Tradition eine Rolle mit Neid als eine der sieben Todsünden. Ich denke, das wirkt noch nach. Weiters ist es so, dass in unserer Gesellschaft schnell Sätze fallen wie „Der ist ja nur neidisch!“ wenn es darum geht, dass jemand weniger hat: die sogenannte Neidgesellschaft. Gleichzeitig gibt es objektive Ungleichheiten, die wirklich nicht fair sind. Wenn es darum geht, die Welt besser und Ungerechtigkeiten sichtbar zu machen, kann Neid auch günstig und hilfreich sein. Ein weiterer Grund, warum Neid ungern thematisiert wird: Es ist einfach kein angenehmes Gefühl – für beide Seiten.

In welchen Formen macht sich Neid oft bemerkbar?

Rieder: Neid macht sich oft in Sticheleien oder schnippischen Anmerkungen bemerkbar. Es kann auch sein, dass die Person, die neidet, auf Abstand geht und den Kontakt reduziert. Neid kann auch in Kritik münden: Ich beneide jemanden, also suche ich mir etwas, das ihn schlechter macht und reite darauf herum. Im Job kann das bis hin zu Intrigen oder Mobbing führen. Problematisch ist, dass sich Beneidete in dieser Situation oft schlecht wehren können. Die Sticheleien sind oft lustig formuliert, eine Antwort darauf fällt schwer: Es war ja nur lustig gemeint. Aber es gibt sehr wohl einen ernsten Kern, verpackt in einen Scherz.

Wie kann man damit am besten umgehen?

Rieder: Ideal ist eine Gegenfrage: Was meinst du genau damit? Werde doch mal konkret. Was möchtest du damit sagen? So kann ich den anderen dazu bringen, Farbe zu bekennen. Scherzhafte Bemerkungen, die sich häufen und immer wieder auftreten, die können sich auch verstärken, wenn man sich lange nicht wehrt. Es ist wichtig, früh dagegen anzutreten.

Neid und Missgunst stoppen

Typische Situationen für Neid im Job?

Rieder: Geld und Gehalt ist sicher ein Riesenthema. Es zieht den Vergleich förmlich an, weil uns konkrete Zahlen vorliegen. Empfinden Arbeitnehmer ihr Gehalt bzw. das der anderen als ungerecht, macht das schnell schlechte Stimmung im Unternehmen. Der Haken daran: Wir glauben, dass die konkreten Zahlen eine objektive Beurteilung zulassen, aber hier muss man aufpassen: Wir denken, dass der Kollege bei höherem Gehalt die gleiche Arbeit leistet, vielleicht gibt es aber doch Unterschiede, die wir nicht sehen.

Aufstieg und Beförderung geben ebenfalls Anlass zu Neid. Im Unternehmen wird vielleicht umstrukturiert, ein Kollege kommt vorwärts, ich selbst aber nicht – typische Situationen. Oft hört man dann: Der ist eigentlich gar nicht so gut. Oder: Die hat eben die besseren Beziehungen. Ich weiß, dass es nur daran liegt. Das sind oft Statements, die von Neidern kommen.

Sind das Ausreden, um sich die eigene Situation schönzureden?

Rieder: Nicht bewusst, aber unbewusst vielleicht schon. Oft ist Menschen, die Neid verspüren, auch gar nicht bewusst, was sie mit ihrem Auftreten auflösen. Dass z.B. ihre Art eine Beförderung unwahrscheinlich macht. Ein Beispiel aus meiner Praxis: Jemand, der seinen Chef permanent kritisiert und das als Notwendigkeit sieht – sich so aber die Beförderung verbaut. Führungskräfte befördern eher Mitarbeiter, die loyal sind. Wie Aufstieg funktioniert, das ist außerdem oft nicht klar nachvollziehbar, geschieht nach undurchsichtigen Regeln – für Neid natürlich eine Spielwiese.

Wenn man selbst Neid verspürt. Wie kann man damit umgehen?

Rieder: Gut ist, wenn man sich Neid eingestehen kann. Diese Emotion zu bekämpfen bringt nichts. Wir haben sie als Menschen nun einmal. Neid, der nur ab und zu auftritt, ist normal. Wenn ich diese Einstellung habe, kann ich sagen: Gut, das ist jetzt so – ich beneide den oder die um etwas. Ich nutze das als Ansporn, ich möchte das auch erreichen. Möchte ich auch mehr Geld, nutze ich das als Antrieb, um endlich einen Termin für ein Gehaltsgespräch vereinbaren. Oder es gibt mir den Mut, tatsächliche Ungerechtigkeiten endlich offen anzusprechen. Neid kann ein unheimlicher Ansporn sein.

„Neid ist nur möglich, weil wir uns ständig vergleichen.“

Neben dieser Sicht nach Außen gibt es auch die nach Innen: Ich spüre Neid, lenke den Blick aber von der anderen Person auf mich selbst. Was sind meine Stärken? Was habe ich vergessen, weil ich den Fokus auf jemand anderen lege? Was habe ich bisher geleistet? Was wurde mir mitgegeben? Sich das immer wieder vor Augen zu führen, ist ein Paradeweg in die Zufriedenheit. Man muss es nur immer wieder tun. So kommt man zu wesentlich mehr Wertschätzung und Dankbarkeit, für das, was man hat im Leben.

Neid ist nur möglich, weil wir uns ständig vergleichen. Es ist illusorisch zu denken, dass man das unterbinden könnte. Wir vergleichen uns, weil wir uns orientieren möchten. Ohne Vergleiche wird es nicht gehen, das sollte auch nicht das Ziel sein. Man kann jedoch bewusst beobachten, in welchen Situationen man sich mit anderen Personen vergleicht. Sehr oft ist es der ständige Vergleich mit jemandem, der es besser hat. Die Messlatte ist dann das Problem. Ich kann meine Messlatte immer so wählen, dass ich als Verlierer dastehe. Ich kann sie aber auch so wählen, dass ich gewinne. Was hat die andere Person, das ich auch gerne hätte? Was sind die Vorteile davon, dass ich das nicht habe? Das kann man sich ebenfalls vor Augen führen. Der Kollege hat die Führungsposition zwar bekommen, dafür muss er sich mit dem Betriebsrat auseinandersetzen und seine Arbeitstage sind viel länger geworden. Welchen Preis bezahlt jemand für das, was er hat? Wäre es mir das wert?

„Der Neid ist das Problem der anderen.“

Ein Blick auf die andere Seite: Was tun, wenn man Neid ausgesetzt ist? Kann das meiner Karriere schaden?

Rieder: Jemandem, der Neid schlecht aushält, kann das durchaus schaden. Man zieht sich zurück, zeigt sich nicht und versteckt seine Fähigkeiten. Gerade im Berufsleben ist es aber wichtig, sich zu zeigen. Es ist eine Welt, in der es auch darum geht, seine eigenen Erfolge aufzuzeigen. Verstecke ich mich, ist das dann eher ungünstig.

Wie kann ich damit umgehen?

Rieder: Der Neid ist im Prinzip das Problem der anderen. Vorausgesetzt, man protzt nicht und reibt seine Erfolge anderen unter die Nase. Dieses Gefühl des anderen muss ich nicht unbedingt auf mich beziehen. Vielleicht wäre der Neider auf jeden neidisch, der in meiner Rolle steckt. Jetzt bin es halt ich. Das muss man schon ein Stück weit aushalten können. Wenn man weiterkommen möchte, ohne jemals Neid zu erregen, wird das nicht gehen. Relativieren hilft ebenfalls: Ich bin jetzt in dieser Position, aber ich zahle auch einen Preis dafür. Manchmal ist es auch möglich zu teilen. Im Job kann ich einen Teil meines Wissens mit anderen teilen oder hilfsbereit sein. Das kann die Neidgefühle anderer auch besser machen. Und nicht zuletzt kann ich Neid auch als Form der Anerkennung sehen. Nicht umsonst besagen die Sprichwörter: Viel Neid, viel Ehr. Mitleid kriegst du geschenkt, Neid musst du dir verdienen. Wer es schafft, der kann Neid auch königlich tragen.


Zur Person

Mag. Sonja Rieder ist Karriereberaterin, Psychotherapeutin, Fachbuchautorin und Business Coach mit eigenem Büro in Wien. Neben klassischen Karrierethemen wie Laufbahnplanung, Bewerbung, Um- und Neuorientierung liegt ihr Fokus auf Coaching in Entscheidungssituationen sowie auf psychologischen Themen wie Narzissmus, Arbeitsstil und Selbstmanagement. Sie berät Selbstständige, Fach- und Führungskräfte sowie Young Professionals in herausfordernden Berufs- und Lebenssituationen.

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Arbeitsmarkt-Ausblick: Mehr Jobs bei großen Unternehmen

Ausblick Arbeitsmarkt Q2 2017

Ein Ausblick auf den Arbeitsmarkt im kommenden Quartal – und der sieht gut aus: Laut Manpower-Arbeitsmarktbarometer zeichnet sich ein positiver Beschäftigungsausblick ab. Mehr Jobs möchten vor allem die großen Arbeitgeber schaffen.

Wird die Mitarbeiteranzahl im Vergleich zum ersten Jahresviertel im 2. Quartal steigen, abnehmen oder gleichbleiben? Diese Frage stellte das aktuelle Arbeitsmarktbarometer 752 österreichischen Arbeitgebern. Das Ergebnis: 12 Prozent der befragten Unternehmen planen neue Mitarbeiter einzustellen. 5 Prozent kalkulieren Personal abzubauen. Und 81 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, den Personalstand unverändert zu lassen. Bereinigt um saisonale Schwankungen liegt der Beschäftigungsausblick damit bei plus 5 Prozent.

  • Gute Jobchancen besonders bei großen Unternehmen: Arbeitgeber mit mehr als 249 Mitarbeitern rechnen mit dem stärksten Plus. Der Netto-Beschäftigungsausblick beträgt hier plus 27 Prozent.
  • Der Ausblick bei den mittleren Unternehmen (zwischen 50 und 249 Arbeitnehmern) verliert hingegen um drei Prozentpunkte.
  • In acht von neun Bundesländern rechnen Arbeitgeber mit einem Beschäftigungswachstums während des kommenden Quartals.
    Die stärksten Arbeitsmärkte werden in Oberösterreich und in der Steiermark erwartet. In diesen beiden Bundesländern wird mit einem Plus von 15 Prozent gerechnet.
  • Ein Vergleich mit dem 1. Quartal des Jahres 2017: Deutliches Wachstum in Kärnten, der Steiermark und Oberösterreich. In drei Bundesländern sieht es gegenteilig aus: In Tirol geht der Beschäftigungsausblick um 11 Prozentpunkte zurück, in Vorarlberg um 9 und in Salzburg um 8 Prozentpunkte.

Sektoren: Neun Gewinner, ein Verlierer

Ein Blick auf die verschiedenen Wirtschaftssektoren zeigt, dass Unternehmen in neun von zehn Branchen ihren Personalstamm im nächsten Quartal ausbauen möchten. Am meisten Jobs werden in der Sachgütererzeugung erwartet (plus 9 Prozent). Gut sieht es auch im Sektor Öffentliche Hand & Soziales (plus 7 Prozent) und im Bausektor aus (plus 6 Prozent). Neue Jobs sind auch im Handel geplant sowie im Finanzwesen, Bergbau und Rohstoffgewinnung. Nur in einer Branche ist kein personeller Ausbau geplant: Gastronomie & Hotelliere prognostizieren einen Einstellungsrückgang von einem Prozent.

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Besser schlafen, besser arbeiten: Dein Weg zur besten Nachtruhe

Tipps: Besser schlafen

Wer von Schlafstörungen betroffen ist, wünscht sich oft nur eines: endlich wieder besser schlafen. Hier kommt Abhilfe, denn der Grund für schlechte Nächte liegt oft am eigenen Lebensstil. Stress, Konflikte oder der späte Griff zum Smartphone sorgen oft dafür, dass wir schlecht schlafen. Wir haben uns mit einer Gesundheitsexpertin über Rezepte für besseren Schlaf unterhalten und herausgefunden, welche Schlafmythen sich hartnäckig halten.

Besser schlafen, nicht nur davon träumen

Karoline Simonitsch

Karoline Simonitsch

Nach einer schlechten Nacht weiß man ihn wirklich zu schätzen: guten Schlaf. Wenn die erholsame Nachtruhe dauerhaft ausbleibt, schlägt sich das auf Gemüt und Leistungsfähigkeit. Müde Arbeitstage nach schlechten Nächten, das kennt wohl jeder. „Ungefähr jeder vierte Österreicher ist von Schlafproblemen betroffen“, berichtet Karoline Simonitsch, Geschäftsführerin von go4health. Der große Teil der üblen Nächte ist auf psychische Faktoren und Belastung durch Stress zurückzuführen, der übrige Teil auf Gründe organischer Natur, z.B. Erkrankungen oder akute Schmerzen. Wer viele Dienstreisen absolviert oder im Schichtdienst arbeitet, kennt zwei weitere Belastungen: Jetlag und unregelmäßige Arbeitszeiten erschweren erholsames Schlafen ebenfalls.

„Länger anhaltende Schlafstörungen unbedingt ernst nehmen.“

Was macht gesunden Schlaf aus und wie viele Schlafprobleme sind normal?

Simonitsch: Gesunder Schlaf ist sehr individuell. Einfach ausgedrückt, handelt es sich um jenen regelmäßigen Nachtschlaf, nach dem man erholt und ausgeruht aufwacht. Entscheidend sind dabei die individuell benötigte Dauer sowie die Qualität des Schlafes. Wir müssen eine ausreichende Zeit des Schlafes in den sogenannten Tiefschlafphasen verbringen, damit sich unser Körper optimal regenerieren kann. Wenn man hin und wieder schlecht oder zu wenig schläft, bedeutet das noch keine großen Einschränkungen im Alltag oder gesundheitliche Probleme. Ebenso, wenn wir nachts kurz aufwachen. Länger anhaltende Schlafstörungen sollte man jedoch unbedingt ernst nehmen. Schlafstörungen können viele Ursachen haben, die man medizinisch abklären muß, um die richtige Gegenstrategie zu finden. Schlaflosigkeit löst Dauerstress im Körper aus, der unserer Gesundheit massiv schadet.

Von Eulen und Lerchen: Ist die Arbeitswelt schon ausreichend auf Morgen- bzw. Nachtmenschen und deren individuellen Rhythmus eingestellt?

Simonitsch: Ich glaube, im Laufe der letzten Jahre hat sich die Arbeitswelt bereits stärker in die Richtung entwickelt, dass mehr auf individuelle Bedürfnisse und die Unterschiede der einzelnen Mitarbeiter eingegangen wird. Die zunehmende Digitalisierung und Flexibilität der Arbeitswelt tragen ihren Teil zu dieser positiven Entwicklung bei.

Was kann Teams helfen, in denen Frühaufsteher und „Spät-Arbeiter“ zusammenarbeiten?

Simonitsch: Ich habe lange Jahre ein Team von 60 Personen mit internationaler Besetzung und in unterschiedlichen Zeitzonen geleitet. Wie habe ich das gelöst? Ich habe Meetings und Besprechungen möglichst an Uhrzeiten verlegt, wo beide Gruppen fit waren, also nicht zu zeitig oder spät am Abend. Ich selber bin der typische Morgenmensch. Am frühen Nachmittag habe ich offen gestanden ein Leistungstief. Was mache ich in der Zeit? Unwichtigere Mails, Administration und Post oder eben ein späteres Mittagessen einplanen. Es ist meiner Meinung nach als Führungskraft wichtig, die eigenen Leistungshochs mit denen des Teams bestmöglich zu koordinieren, ohne dabei seine eigenen Bedürfnisse zu ignorieren.

Für viele Menschen mit fixen Anwesenheitszeiten oder speziell im Schichtdienst ist das natürlich nicht so einfach. Hier hilft nur das Thema offen anzusprechen, und im Team mit Vorgesetzten zu überlegen, wie man bei der Einteilung der Arbeitszeit und auch der Aufgaben den Lebensrhythmus der einzelnen bestmöglich berücksichtigen kann. Hier sind jedoch auch die Mitarbeiter gefordert, sich aktiv einzubringen und gemeinsame Lösungen zu finden.

Wieder besser schlafen

Welche Methoden gibt es, um sich mental auf guten Schlaf vorzubereiten?

Simonitsch: Das ist eine wichtige Frage! Ich schwöre auf Routinen zum Tagesausklang. Bestimmte Rituale, die mir persönlich gut tun, sind Musik zum Abschalten, ein Entspannungsbad sowie Mentalübungen. Sogar ich als Digitalisierungsjunkie halte mich am Abend an Digital Detox. Studien haben nachgewiesen, dass Licht mit hohem Blauanteil, wie von Handyscreens, den Melatoninspiegel niedrig hält. Fazit: man bleibt länger wach. Ich löse das für mich persönlich recht radikal und schalte meine mobilen Endgeräte ab einem gewissen Zeitpunkt auf Flugmodus bis zum Morgen. Man muß und darf auch mal nicht erreichbar sein.

Entspannung braucht auch immer Zeit. Eine Stressreaktion tritt unmittelbar nach dem Reiz auf. Unser Körper reagiert blitzschnell und hält die Anspannung noch einige Zeit aufrecht. Entspannung muss auch geübt werden. Für mich sind Atemübungen, Meditation oder autogenes Training hilfreich. Auf unserem Gesundheitsblog stellen wir einige Entspannungsmethoden vor.

Stichwort Frühjahrsmüdigkeit: Was hilft uns durch die müde Zeit?

Simonitsch: Mein persönlicher Tipp: Raus an die frische Luft! Tageslicht hemmt die Synthese des Schlafhormones Melatonin. Ich freue mich jedes Jahr, wenn die Tage wieder länger werden und versuche mir genügend Bewegung im Freien zu verschaffen. Das hilft dem Kreislauf, aber auch dem Kopf und der Seele tut das Auslüften gut. Damit beuge ich persönlich Frühjahrsmüdigkeit vor. Der positive Nebeneffekt: Körperliche Betätigung hält gesund und sorgt für einen guten und erholsamen Schlaf am Abend.

Um das Thema Schlaf kursieren zahlreiche „Weisheiten“: Was hält sich hartnäckig – stimmt aber gar nicht?

Simonitsch: Es existiert eine Vielzahl an Mythen über Schlaf. Wir haben in unserer Schlafbroschüre einige davon aufgegriffen und näher beleuchtet, z.B. der Mythos, dass Schlaf vor Mitternacht wichtiger und gesünder ist als zu anderen Tageszeiten oder dass man sich an weniger Schlaf gewöhnen kann. Dabei handelt es sich um einen weit verbreiteten Irrglauben, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Über einen kurzen Zeitraum kann ich zwar mit weniger Schlaf auskommen. Langfristig merke ich immer wie meine Leistungsfähigkeit nachlässt und sich der Schlafmangel in allgemeinem Unwohlsein, Nervosität und verstärktem Stressempfinden zeigt. Jeder hat seinen eigenen, sehr individuellen Schlaf- und Wachrhythmus. Das persönliche Ruhebedürfnis, tags wie nachts, muss berücksichtigt werden, um langfristig fit und gesund zu sein.


Zur Person

Dr. Karoline Simonitsch ist Mitgründerin und Geschäftsführerin der go4health GmbH. Seit mehr als 10 Jahren beschäftigt sie sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf Unternehmen, Geschäftsmodelle und Gesellschaft mit besonderem Fokus auf Innovationen und den Gesundheitsbereich. 2014 gründete sie gemeinsam mit Kollegen go4health, mit dem Ziel, eine innovative und ganzheitliche Lösung für digitales Gesundheitsmanagement zu etablieren. Im Oktober 2016 wurde sie von HotTopics in das internationale Ranking der „The 100 most influential leaders in Health Tech 2016“ gewählt. Im Jänner 2017 wurde sie von der WKO zur Gesundheitsmanagerin des Monats ernannt.

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Aufnahmeprüfung für Studium und Job: „Fair ist das nicht“

Aufnahmepruefung Studium und Job

An immer mehr Universitäten wird eine Aufnahmeprüfung Voraussetzung für ein Studium, aber auch für manche Jobs ist ein Aufnahmetest nach wie vor Standard. Dass diese Eignungstests alles andere als fair sind und weshalb Vorbereitung nicht nur möglich, sondern auch sinnvoll ist, erklärt der Autor von „Testtraining 2000 plus“, Jürgen Hesse, im Interview.

Wenn Alkohol und Holz über die Zukunft entscheiden

Jürgen Hesse

„Was haben Holz und Alkohol gemeinsam?“ Wer findet, dass Fragen wie diese in Eignungstests nicht über die eigene berufliche Zukunft entscheiden sollten, der ist mit seiner Meinung nicht alleine. Im Gegenteil. „Solche Tests sind absolut nicht fair“, betont einer, der es wissen muss: Der Psychologe Jürgen Hesse. Gemeinsam mit seinem Kollegen Hans-Christian Schrader hat er unter anderem das Buch „Testtraining 2000 plus“ geschrieben, eines der Standardwerke zur Vorbereitung auf Einstellungs- und Eignungstests. Anders als in Deutschland, wo man Auswahlverfahren per Test in vielen Bereichen wieder aufgehoben hat, muss man an immer mehr heimischen Unis (und FHs) einen Aufnahmetest zur Zulassung absolvieren. Besonders, dass junge Menschen, deren Intelligenzentwicklung noch voll im Gange ist, durch solche Tests bewertet und womöglich entmutigt werden, stört den Psychologen. Mit seiner Testkritik hat er sich bereits vor Jahrzehnten beim deutschen Berufsverband der Psychologen nicht gerade beliebt gemacht und die Testgläubigkeit stark erschüttert. Assessment Center und Aufnahmeprüfungen gibt es weiterhin, das Gute aber ist: für jedes Gift, so Hesse, gibt es ein Gegengift. In diesem Fall ist es die Vorbereitung.

Vorbereitung ist nicht peinlich, sondern schlau

Denn egal ob fair oder nicht, of professionell gemacht oder nicht: wird ein Test verlangt, muss jeder Bewerber durch. Die gute Nachricht ist: man kann sich auf diese Tests vorbereiten und das sollte man auch, so Hesse. Denn: „Solche Tests sind meist ganz anders aufgebaut, als jene, die man aus der Schulzeit kennt.“ Wer übt, wird einerseits weniger von den abgefragten Analogien etc. verunsichert und kann andererseits Strategien und Tricks entwickeln, wie man am besten mit den Aufgaben umgehen kann. Denn nicht selten ist künstlich erzeugter Zeitdruck ein Faktor bei diesen Prüfungen: Kapitel werden so angelegt, dass sie in der vorgegebenen Zeit nicht zu bewältigen sind. Weiß man dies, kann man ganz anders damit umgehen und lässt sich im Idealfall nicht stressen. „Durch Vorbereitung kann man seine Leistung um bis zu 70 Prozent verbessern. Auch gegen die eigene Nervösität hilft es, wenn man versteht, wie solche Intelligenztests aufgebaut sind.“

Die perfekte Vorbereitung

Michael Unger

Wie und wann also vorbereiten? „Wenn man nur einen Tag Zeit hat, sollte man diesen natürlich nutzen aber ansonsten wäre es ideal, ein paar Tage oder Wochen vorher anzufangen. Dies ist natürlich vom Einzelnen abhängig, denn die meisten brauchen etwas mehr Zeit zur Vorbereitung. Aber es gibt auch Menschen, denen zum Beispiel ein Tag lernen für die Führerscheinprüfung reicht.“ Zur Testvorbereitung gibt es zahlreiche Bücher, wie etwa das eingangs erwähnte Standardwerk „Testtraining 2000 plus“, aber auch vorbereitende Kurse in Kleingruppen. Solche werden in Österreich etwa über die Info- und Vernetzungsplattform Aufnahmeprüfung.at angeboten, wie Geschäftsführer Michael Unger erklärt.

„Eine intensive Vorbereitung erhöht massiv die Chance auf einen Studienplatz. Und ein Kurs ist zwar nicht die einzige, aber eine sehr komfortable und effiziente Möglichkeit, sich intensiv vorzubereiten“, so Unger. Generell hilft auf alle Fälle der Austausch mit Studenten bzw. potenziellen Kollegen, falls möglich, die die Prüfung bereits absolviert haben. So kann man ein Bild davon bekommen, was verlangt wird und sich gezielt vorbereiten.

Wer unvorbereitet kommt, handelt fahrlässig

Und nochmals: dies sollte man auf alle Fälle. Egal ob für Job oder Studium und egal, wie doof man solche Eignungstests findet. „Es ist eine wichtige Entscheidungssituation im Leben und man tut gut daran, nicht grob fahrlässig zu sein und sich dieser unvorbereitet auszusetzen“, so Hesse. Denn nur so könne jeder seine Chancen ganz wahrnehmen. Auch wenn manchen Tests mehr liegen als anderen, die Möglichkeit, sich vorzubereiten hat jeder. Wer sich übrigens immer noch fragt, was Alkohol und Holz gemeinsam haben, dem sei gesagt: beide brennen! Wer weiß, vielleicht kann man diese Info ja irgendwann einmal brauchen …

Zu den Personen

Jürgen Hesse ist Diplompsychologe und Autor des Hesse/Schrader-Buchautorenteams. Allein im deutschsprachigen Raum hat das Duo eine verkaufte Auflage von über 7 Mio. Büchern, bei mehr als 200 Titeln aus den vergangenen 30 Jahren.

Michael Unger ist Geschäftsführer und Inhaber von Unger Bildungsmarketing e.U. Der Kommunikationsprofi hat die Plattform Aufnahmeprüfung.at vor fünf Jahren aufgebaut.

Bildnachweis: Shutterstock/ Photographee.eu

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Onboarding: Best-Practices für den ersten Tag im neuen Job

Konzept für kreatives Onboarding

Onboarding-Prozesse sind so unterschiedlich wie Arbeitgeber selbst. Während die einen auf „softe“ Starts für neue Mitarbeiter setzen, stehen bei anderen an Tag 1 bereits erste Projekte auf dem Plan. Verschiedene Onboarding-Konzepte und neue Zugänge für den Start in den ersten Job – so handhaben Facebook, Twitter & Co. ihr Onboarding:

Wer in einem neuen Job anfängt, der weiß: Der erste Tag ist der schlimmste. Immerhin betritt man Neuland mit vielen unbekannten Gesichtern, neuen Aufgaben und kulturellen Gepflogenheiten. Gute Arbeitgeber wissen das und versuchen, neuen Teammitgliedern den Einstieg so angenehm und einfach wie möglich zu machen. Vom Mitarbeiterhandbuch bis zum Office-Buddy für den ersten Tag – gutes Onboarding kennt viele Maßnahmen, um die ersten Wochen möglichst angenehm zu machen. Manche Arbeitgeber werden außerdem sehr kreativ, wenn es um den ersten Tag im neuen Job geht. Hier ein paar Beispiele – auch aus kreativen Onboarding Konzepten:

Start im neuen Job: Der erste Eindruck zählt

  • Twitter: From Yes to Desk
    So sieht das Onboarding bei Twitter aus: Twitter-Mitarbeiter finden am ersten Arbeitstag ihren Schreibtisch inklusive fix-fertig eingerichtetem PC und Willkommensgeschenken vor. Gefrühstückt wird mit dem CEO, danach gibt es eine Tour durch das Unternehmen. In Kleingruppen wird danach besprochen, welche Tools und Systeme der Neuankömmling brauchen wird und kennenlernen sollte. Wer die Projekte und Leads anderer Teams schnell kennenlernen möchte, kann freitags an wechselnden Präsentationen teilnehmen.
  • Gamification
    Einige Arbeitgeber setzen auf Gamification als spielerischen Zugang zur neuen Unternehmenskultur. Neue Teammitglieder werden z.B. auf eine Schnitzeljagd geschickt und müssen kleine Rätsel lösen oder Fragen zum Unternehmen oder ihren neuen Kollegen beantworten. Wer es sehr spielerisch mag, programmiert gleich ein komplettes, interaktives Onboarding-Game – oder macht es wie Rackspace. Das Unternehmen mit Sitz in San Antonio schickt neue Mitarbeiter durch eine ganze Reihe von Partyspielen.
  • Onboarding-Bootcamp
    Als „Bootcamp“ bezeichnen Arbeitgeber wie Buffer oder Facebook die Zeit des Onboardings neuer Mitarbeiter. Sechs Wochen dauert diese Probezeit bei Facebook, 45 Tage bei Buffer. Ausreichend Zeit, um Teams, Organisationsstruktur und Unternehmenskultur kennenzulernen. Und was passiert, wenn es nicht passt? Im Blog von Buffer gibt’s dazu überraschend offene Einblicke: I failed Buffer’s Bootcamp…Successfully.
  • Buddy-System
    Viele Arbeitgeber setzen bereits auf Buddys, die neue Teammitglieder beim Start begleiten. Das kann ein Mitarbeiter sein oder auch mehrere. Bei Buffer kommen z.B. drei Buddys pro neuem Mitarbeiter zum Einsatz: Leader Buddy, Role Buddy, Culture Buddy. Je nach Tätigkeitsbereich kann es sinnvoll sein, einen Kollegen für fachliche und einen für kulturelle Fragen zur Seite zu stellen.
  • Produktive erste Woche
    Unternehmen wie Quora unterstützen neue Teammitglieder, die sofort loslegen möchten. Bis Ende der ersten Arbeitswoche haben sie bereits ihr erstes, überschaubares Projekt bearbeitet. Neue Mitarbeiter nehmen so gleich das Gefühl, etwas beigetragen zu haben, mit ins erste Wochenende. Auf diese Strategie setzt auch Facebook als Arbeitgeber: Ein großer Teil des Onboardings wird bereits vor dem Start in den ersten Arbeitstag erledigt. Nur rund 45 Minuten verbringen neue Arbeitnehmer an Tag 1 mit Dingen wie Kennenlernen oder Rundgängen. Danach geht’s bereits an das erste Projekt.
  • Onboarding-Roadmap
    Damit neue Teammitglieder gleich wissen, was sie erwartet: Zu Beginn des ersten Arbeitstages informiert eine Roadmap über die ersten Wochen im neuen Job: An welchem Tag geschieht was? Wer schult in welchem Raum ein? Wann finden wichtige Termine statt, wann die ersten Feedbackrunden? Die Roadmap als Guide ist bei Arbeitgebern wie z.B. LinkedIn längst ein Standard-Tool im Onboarding-Prozess.

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Die gefühlte 4-Tage-Woche: Den Freitag zum Freutag machen

Der Freitag wird zum Freutag

Auch, wenn man seinen Job gerne macht: Der Freitag ist für viele der beste Arbeitstag der Woche: weniger Arbeitsstunden als an den übrigen Tagen und das Wochenende ist bereits zum Greifen nahe. Mit der richtigen Planung kannst du dir sogar eine „beinahe-4-Tage-Woche“ hinmogeln. Mach den Freitag zum Freutag!

Die wöchentliche Arbeit in möglichst vier statt fünf Tagen erledigen – wieso? Weil du so am Freitag keine großen Job-Baustellen bearbeiten musst und entspannter ins Wochenende starten kannst. Je mehr Flexibilität dir dein Arbeitgeber bietet, desto einfacher wird das Projekt „Gefühlte 4-Tage-Woche“ natürlich. The Muse hat sich angesehen, mit welchen Angewohnheiten Arbeitnehmer ihren Workload in vier Tagen erledigen – stressfrei! Wollen wir auch! Das steckt dahinter:

Die Planung auf eine 4-Tage-Woche auslegen

Die Arbeitswoche hat zwar fünf Tage, dein Ziel ist es aber, den Hauptteil deiner Arbeit in vier Tagen zu schaffen. Der Freitag bleibt dann als Bonustag übrig: Arbeitsstunden, die du völlig ungestört nutzen kannst, um in Ruhe an Projekten zu arbeiten oder die Woche einfach stressfrei ausklingen zu lassen.

  • No Meetings: Keine Meetings oder Telefonate auf den Freitag legen. Das funktioniert natürlich nicht immer, in gewissem Maß ist man ja von anderen Personen abhängig. Falls sich ein meetingfreier Freitag nicht realisieren lässt: Versuche, dir einen anderen Tag ohne Termine zu suchen. An einem Tag ohne Meetings oder Unterbrechungen durch andere schafftst du sicher eine Menge.
  • Prioritäten setzen: Wichtige Dinge solltest du möglichst am Wochenanfang erledigen. So verhinderst du, dass sich große und/oder unangenehme Tasks auf Freitag verschieben und dann kurz vor dem Wochenende noch erledigt werden müssen. Wer gerne prokrastiniert, kennt den einen oder anderen langen Freitag sicher.
  • Keine Ablenkungen: Wenn du den Großteil deines Workloads in vier Tagen schaffen möchtest, musst du möglichst effizient arbeiten. Dazu gehört vor allem das Ausschalten jeglicher Ablenkung. Telefonierende Kollegen, Notifications im Messenger, eintreffende E-Mails oder Anrufe stören dich in deiner Konzentration und sorgen dafür, dass du nicht schaffst, was du schaffen könntest. Wie du dir am besten eine Ruhezone schaffst, hängt von deinem Job und Arbeitsumfeld ab. Tipps für die Abgrenzung im Großraumbüro gibts hier.
  • Effizient arbeiten: Auch, wenn du externe Ablenkungen eliminiert hast, musst du am Ball bleiben, um in kurzer Zeit möglichst viel zu schaffen. Abhilfe schaffen „Shortcuts“, Dinge, die du weitgehend automatisieren kannst. Dazu gehören z.B. fertig formulierte Muster-E-Mails, wenn du oft Standard-Anfragen beantworten musst. Regeln im E-Mail-Postfach helfen, eintreffende E-Mails bereits in Ordner vorzusortieren. Musst du täglich oder wöchentlich Tasks erledigen, die sich immer wiederholen, kannst du diese vielleicht auch teilweise automatisieren. Mach dir das Leben einfacher!

„Hast du wenig zu tun?“

Aber Vorsicht: Dein „Freitag-Freutag“ soll nicht zu einem Arbeitstag werden, an dem du kaum etwas oder gar nichts mehr zu tun hast. Kriegen deine Kollegen oder dein Chef das mit, könnte schnell noch mehr Arbeit auf deinem Schreibtisch landen. Hier gibt’s Ideen für einen guten Freitag im Büro:

Bildnachweis: szefei/Shutterstock

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„Könntest du bitte…?“ Warum du besser persönlich nachfragst

Immer besser: die persönliche Bitte

Um etwas zu bitten oder nachzufragen, das kommt im Arbeitsalltag häufig vor. In Zeiten von Messenger & Co. geschieht das oft schriftlich. Eine E-Mail ist schließlich schnell geschrieben und hat denselben Effekt wie ein Telefonat, oder? Forscher haben untersucht, auf welchem Weg Nachfragen und Bitten schneller zum Erfolg führt.

Bitte: lieber persönlich

Eine E-Mail oder kurze Nachricht zu schreiben, das ist oft einfacher und flexibler als das persönliche Gespräch. Vor allem, wenn es darum geht, um etwas zu bitten. Eine Studie legt aber nahe, Bitten im Rahmen eines Gesprächs zu formulieren. Das sei vielversprechender als auf schriftlichem Weg. So sehr wir an schriftliche Kommunikation gewöhnt sind und lange an E-Mails feilen, das persönliche Gespräch punktet in der zwischenmenschlichen Kommunikation nach wie vor. Forschungen zufolge überschätzen wir den Einfluss einer E-Mail sogar. Es ist scheinbar nicht egal, wie wir eine Bitte an den Mann oder die Frau bringen.

Untersucht wurde das im Rahmen eines Experiments, von dem die Plattform Forschung erleben berichtet. Dabei mussten Versuchsteilnehmer andere Personen um einen Gefallen bitten – entweder persönlich im Gespräch oder per E-Mail. Konkret ging es darum, Fremde zu bitten, einen Fragebogen für einen Dollar auszufüllen sowie um die Bearbeitung einer weiteren Aufgabe zu bitten. Bevor es ans Fragen und Bitten ging, mussten die Versuchspersonen einschätzen, wieviel Erfolg sie mit dem Nachfragen per E-Mail bzw. im persönlichen Gespräch haben würden.

In der ersten Versuchsbedingung wurde auf persönlichem Weg versucht, soviel Fremde wie möglich zum Ausfüllen des Fragebogens zu bewegen. Wer zustimmte, wurde dann noch gebeten, eine Zusatzaufgabe zu erledigen. In der zweiten Versuchsbedingung wurden an vorab informierte Empfänger E-Mails mit der Bitte um das Ausfüllen eines Fragebogens verschickt. Dann wurde per E-Mail noch einmal nachgefasst: Würden die Teilnehmer auch noch eine weitere Aufgabe erledigen?

Nach der Studie wurde ausgewertet, wie viele der angesprochenen Personen zugestimmt hatten, die Zusatzaufgabe zu erledigen. Wer persönlich darum gebeten wurde, tat das häufiger als digital kontaktiere Personen. Überschätzt hatten sich jene Versuchsteilnehmer, die ihre Bitten per E-Mail formulierten. Sie dachten, sie könnten mehr Personen dazu bringen, die zusätzliche Aufgabe zu erledigen. Ausschlaggebend dafür könnte der Faktor Vertrauen sein. In persönlichen Gesprächen wird eher eine Vertrauensbasis aufgebaut, als in schriftlicher Kommunikation wie E-Mails. Dieses Vertrauen kann Empathie bewirken und dazu führen, dass einer Bitte auch nachgegangen wird.

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Karrieretipps und Ratschläge, die du nicht zu ernst nehmen solltest

Karrieretipps die du nicht befolgen musst

Gut gemeint ist nicht immer gut – so auch manche Karrieretipps und Ratschläge, die einem im Laufe eines Berufslebens begegnen. Auch hier gilt: One size doesn’t fit all. Was dem einen hilft, schadet vielleicht dem nächsten – und umgekehrt. Hier fünf Karrieretipps, die du nicht unbedingt befolgen musst.

#1 Für den Einstieg erstmal irgendeinen Job

„Fang notfalls halt ganz unten an. Dann hast du beim Unternehmen schon mal einen Fuß in der Türe!“ Dieser Plan kann natürlich aufgehen, tut er aber nicht immer. Zum Beispiel dann, wenn du einen Arbeitgeber erwischst, dem die interne Weiterentwicklung seiner Mitarbeiter ziemlich egal ist. Warum sollte er dich von deinem aktuellen Job „wegbefördern“ – noch dazu, wenn du den gut erledigst? Akzeptiere daher nicht jeden Job als Lückenfüller, wenn du nicht sicher bist, was Weiterbildungschancen und Perspektiven im Unternehmen betreffen. Je weiter weg sich die „Lückenfüllerposition“ von deiner eigentlich angestrebten Stelle befindet, desto schwieriger wirds, von dort wegzukommen. Falls es mit dem internen Aufstieg nicht klappt, bleibt natürlich immer noch Plan B: Andere Arbeitgeber haben auch schöne Jobs.

#2 Mach nur, was du liebst!

Ein Ratschlag, der ganz schön stressen kann. Wer seine Leidenschaft zum Beruf macht, steigt dabei nicht immer als Gewinner aus. Wird aus dem Hobby ein Job, birgt das auch Schattenseiten. Außerdem: Muss man seinen Job lieben? Reicht es nicht aus, ihn einfach nur ganz okay zu finden? Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten.

#3 In einem neuen Job muss man mindestens ein Jahr bleiben

Fakt ist: Wer häufig Jobs wechselt, muss das erklären können und läuft vielleicht auch Gefahr, von Personalern aussortiert zu werden. Stichwort Jobhopper. Es kann aber auch sein, dass sich dein neuer Job als Job aus der Hölle entpuppt: Das Aufgabengebiet völlig anders als besprochen, der Vorgesetzte so richtig bossy und dein neuer Kollege ist Mobbing-Profi. Das ganze ein Jahr durchziehen oder doch lieber weiterziehen?

#4 Sag zu keiner Aufgabe „Nein“

Eine Gratwanderung zwischen „sich nicht zu schade sein“ und einer Karriere als Mädchen für alles. Aufgaben kategorisch abzulehnen, weil sie dir zu minder sind, ist natürlich nicht der richtige Weg. Vor allem im Teamwork zählt, sich auch mal die Hände schmutzig zu machen und dort anzupacken, wo man eigentlich nicht müsste. Widerspruchslos alles zu erledigen, was dir andere auftragen, wird dich aber auch nicht ans Ziel führen. Außer, du legst es darauf an, dir einen Ruf als Mitarbeiter zu erarbeiten, dem man auch die langweiligen Routinetasks einfach umhängen kann.

#5 Du musst netzwerken, was das Zeug hält!

Networking kann die eigene Karriere vorantreiben, das stimmt. Beim Netzwerken gilt jedoch auch: Qualität vor Quantität. Besser, einen wertvollen Kontakt im Rahmen einer Veranstaltung gewinnen, als wahlloses Pilgern zu zahlreichen Networking-Events und Business-Lunches. Dazu kommt auch, dass viele Menschen nicht gerne netzwerken. Wer sich dazu zwingt, wirkt verkrampft und strahlt das oft auch aus. Vor allem Introvertierten ist Networking mehr Gräuel als Chance zum Karriereglück. Eine kleine Anleitung für stille Wasser und Netzwerk-Muffel gibts übrigens hier. Noch mehr Tipps für gutes Networking sind in diesem Beitrag zu finden.

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Zu langsam, zu starr, zu wenig innovativ: Herausforderungen für HR

HR-Herausforderungen und Trends

Die Arbeitswelt wird immer dynamischer, Recruiting und HR-Arbeit hinken aber oft noch hinterher. Eine Erkenntnis, die laut aktueller Deloitte-Studie bei Österreichs Arbeitgebern bereits angekommen ist. Sie geben an, dass starre Strukturen und fehlende Innovationskraft das Finden und Binden von Arbeitnehmern erschwert. Wer seine HR-Arbeit auf Vordermann bringen möchte: Drei Haupttrends aus der Deloitte-Studie und was Österreichs HR dazu sagt.

Österreichs HR-Abteilungen haben Aufholbedarf – und laut einer neuen Studie von Deloitte wissen sie das auch. In den Global Human Capital Trends werden die aktuellen Herausforderungen im Personalbereich analysiert, dafür wurden mehr als 10.000 HR-Leiter und Geschäftsführer in 140 Ländern befragt – darunter auch Österreich.

Eines der Hauptergebnisse: Weltweit fühlt sich nur ein Zehntel der Unternehmen bereits fit für die Zukunft, Österreichische Arbeitgeber und Personalmanager kämpfen vor allem mit komplexen Strukturen. Was die Vorbereitung auf Trends und die Zukunft betrifft, fühlen sie sich sogar schlechter vorbereitet, als ihre internationalen Kollegen.

3 Themen und Trends, die HR auf Trab halten

  • Die agile und digitale Organisation
    Organisationen werden zunehmend komplexer und österreichische Führungskräfte gestehen, dass sie dieser Trend besonders vor Herausforderungen stellt. 60 Prozent geben an, dass ihr Unternehmen (sehr) komplex strukturiert ist. Der Einsatz von agilen, autonomen Teams und offener Kommunikationskultur statt klassischer Hierarchien kann helfen, Abläufe zu vereinfachen. Weltweit bewerten jedoch 65 Prozent der Unternehmen ihre Organisation als wenig oder gar nicht agil. Alles Handarbeit: HR-Prozesse sind gar nicht oder nur teilweise automatisiert, das geben 68 Prozent der befragten Österreicher an. Ihr HR-System bewerten nur 22 Prozent als effizient und wirksam.
  • Die alte Karriereleiter hat ausgedient
    Einmal von unten nach oben – das war einmal. Flexible Karriere, wie z.B. die Mosaikkarriere, bestimmen die Laufbahnen mittlerweile. Ohne kontinuierliches Lernen, Anpassungsfähigkeit, Entwicklung und persönlicher Entfaltung geht es natürlich nicht. Gut, dass 83 Prozent der Führungskräfte diesen Faktoren bereits hohe Priorität geben. 61 Prozent der österreichischen Unternehmen arbeiten bereits an ihren Karrieremodellen oder haben vor, das zu tun.
  • Innovatives Recruiting holt sich Talente
    Arbeitgeber sind nach wie vor auf der Suche nach Mitarbeitern, die ausreichend Kompetenzen für die Arbeitswelt der Zukunft mitbringen. Weltweit sagen 81 Prozent, dass die Gewinnung von neuen Arbeitnehmern (sehr) wichtig für Unternehmen ist. Die richtigen Recruiting-Instrumente helfen beim Aufbau langfristiger Beziehungen zwischen Arbeitgebern und interessanten Talenten. „Österreichische HR-Abteilungen agieren beim Recruiting meist noch sehr traditionell. Die Suche nach geeigneten Kandidaten erfordert aber einen innovativen Zugang“, betont Margareta Holz, Partnerin bei Deloitte Österreich. Digitale Kanäle, neue Technologien und frische Strategien gewinnen an Bedeutung, wenn es darum geht, geeignete Mitarbeiter zu finden.

Über die Studie

Der Deloitte Report „Global Human Capital Trends 2017“ fasst Trends und Herausforderungen der Arbeitswelt zusammen. Die Studie wurde in diesem Jahr zum fünften Mal durchgeführt. Weltweit wurden über 10.000 HR-Leiter und Geschäftsführer in 140 Ländern befragt. Unter den Teilnehmern waren rund 100 Führungspersonen österreichischer Unternehmen. Der gesamte Report kann hier heruntergeladen werden.

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Richtig abschalten: Tipps für einen relaxten Feierabend

Abschalten zu Feierabend

Das hat jeder schon mal erlebt: Nach einem besonders anstrengenden Arbeitstag kommt man nachhause und anstatt dem Partner oder der Familie Zeit zu widmen, ist man in Gedanken immer noch beim Job. Eigentlich sollte man aber abschalten und den Feierabend genießen. Welche Rolle Feierabendrituale spielen und wie Pendler die Fahrzeit sinnvoll nutzen können, erklärt uns eine Arbeitspsychologin.

Viel los auf der Arbeit? Damit muss jeder mal kämpfen. Wenn der Stress aber überhandnimmt, nimmt man diesen oftmals mit nachhause – wo er eigentlich nichts zu suchen hat. Können wir uns auch in den eigenen vier Wänden nicht richtig erholen, zerrt das an den Nerven und kann auf Dauer krank machen. Wie schafft man es also, Arbeitszeit und Freizeit strikt zu trennen und den Feierabend zu genießen? Wir haben mit der Arbeitspsychologin Christine Hoffmann gesprochen, die uns ein paar Methoden für einen relaxten Feierabend verraten hat.

Psychologin Feierabend

Christine Hoffmann

 

Gibt es bestimmte Rituale, die helfen, die Arbeit bzw. den Stress nicht mit nach Hause zu nehmen?

Hoffmann: Der Begriff Work-Life-Balance, der vermittelt, dass in der Arbeitszeit nicht gelebt wird, sondern das „wahre Leben“ erst danach beginnt, wird mehr und mehr durch den Begriff Life-Balance abgelöst. Immer mehr Menschen sehen Arbeit nicht nur als Mittel zur Lebenserhaltung, sondern als Teil ihrer Selbstverwirklichung und ihres Lebensglücks an.

Gleichzeitig ist die zunehmende Entgrenzung zwischen Berufs- und Privatleben für viele Menschen herausfordernd. Um den wohlverdienten Feierabend genießen zu können, hilft es, die letzten fünf Minuten des Arbeitstages bewusst zu nutzen, um den Tag gut abzuschließen. Aktualisieren Sie Ihre To-do-Liste und terminieren Sie Unerledigtes für die folgenden Tage. Gönnen Sie sich dann einen Moment der Ruhe und fokussieren Sie sich auf die Erfolge des Tages: Was haben Sie gut gemacht, was alles erledigt? Wer hat sie dabei unterstützt? Schließen Sie Ihren Arbeitstag bewusst mit den Gefühlen der Zufriedenheit und Dankbarkeit ab.

„Kleine Rituale können große Wirkung haben: Ob es Musikhören am Heimweg ist oder die Jogginghose, die zuhause wartet.“

Ein Feierabendritual hilft, den Schritt von der Arbeits- in die Privatwelt bewusst zu setzen. Meist sind kleine Rituale völlig ausreichend. Beispielsweise der achtsam gesetzte Schritt über die Türschwelle, bewusstes Händewaschen oder ein Kleidungswechsel, verbunden mit der inneren Absicht, alle Gedanken an die Arbeit im Büro zu lassen und den Kopf frei für das private Glück zu machen. Wichtig ist, diese kleinen Rituale achtsam und bewusst zu setzen. Mein persönliches Ritual besteht beispielsweise darin, meine Armbanduhr vor der Arbeit bewusst an- und nach der Arbeit wieder bewusst abzulegen.

Wenn nach Feierabend trotzdem störende Gedanken an die Arbeit auftauchen, ist es entscheidend, wie Sie damit umgehen. Wir PsychologInnen sprechen von Proaktivität, wenn Menschen nicht nur Verantwortung für ihr Verhalten, sondern auch für ihr Denken und Fühlen übernehmen. Für manche Menschen ist es hilfreich, sich bei störenden Gedanken innerlich ein Stopp-Schild vorzustellen und sich dann bewusst dafür zu entscheiden, einen aufkeimenden Gedanken vorbeiziehen zu lassen und die Aufmerksamkeitsscheinwerfer bewusst auf etwas anderes zu richten.

Was sollte man eher vermeiden, wenn man die Arbeit abschließen und die Freizeit beginnen möchte?

Hoffmann: Alles, das einen wieder an die Arbeit erinnert.

Meistens geht man ja nicht vom Bürogebäude heraus und ist gleich zuhause – viele erwartet dann noch eine Autofahrt (im schlimmsten Fall mit Stau) oder eine längere Öffifahrt. Gibt es für diese Zeit bereits Maßnahmen, die mich sanft in den Abschaltmodus befördern?

Hoffmann: Eine längere Fahrzeit hat den Vorteil, dass der „Weltenwechsel“ langsam vonstattengeht. Zudem können Transferzeiten ganz bewusst als „Zeit für sich“ benutzt werden. Wir können uns entspannen, den Kopf leeren und uns einfach nur auf die Atmung konzentrieren. Wir können unsere Lieblingsmusik einlegen und laut dazu singen. Oder uns fragen, womit wir uns heute selbst noch eine Freude machen können.

Nach einem anstrengenden Arbeitstag kommt man nachhause und möchte sich am liebsten auf die Couch fläzen – dagegen sprechen aber oft Familienverantwortungen, Haushalt oder ein soziales Leben. Wie behält man Balance zwischen „Zeit für mich“ und Zeit für Partner/Freunde/Familie?

Hoffmann: Die eigene Lebensbalance zu finden und entsprechend zu leben, stellt für die meisten Menschen eine Herausforderung dar. Meist kommt die „Zeit für sich“ zu kurz. Doch wir können nur gut für andere sorgen, wenn wir gut für uns selbst sorgen! Das Bewusstsein darüber macht die eigenen Prioritäten klarer. Ich empfehle meinen Kunden, sich bewusst diese Zeit einzuplanen und sich täglich zumindest eine Stunde zu schenken.

„Starte deinen Tag mit Zeit für dich!“

Besonders wirksam ist es, den Tag mit „Zeit für sich“ zu beginnen. Stellen Sie sich den Wecker eine Stunde früher und drücken Sie nicht auf „Schlummern“, sondern stehen Sie gleich auf. Nutzen Sie die Zeit zum Meditieren, um sich auf Ihre Lebensziele zu fokussieren, für eine kleine Sporteinheit, das Lesen eines inspirierenden Textes, zum Tagebuch schreiben oder zu dem, was Ihnen sonst gut tut. Sie werden spüren, dass diese geschenkte Stunde Ihr Wohlbefinden verändert.

Was kann ich vor einem Wochenende oder einem Urlaub machen, um mich von Gedanken an die Arbeit zu distanzieren und so viel wie möglich entspannen zu können?

Hoffmann: Sie können sich vorab selbst einige Fragen stellen. Zum Beispiel: Was bedeutet für mich Entspannung? Wo spüre ich Entspannung in meinem Körper? Was brauche ich, um diesen wundervollen Zustand herzustellen?

Wer sich Entspannung und Glücksmomente wünscht, sollte sich selbst einladen, zu 100 Prozent ins Hier und Jetzt zu kommen, und sich dafür entscheiden, Störfaktoren soweit, wie es mit dem eigenen Lebenskontext vereinbar ist, auszuschalten. Für die einen bedeutet das, das Handy das ganze Wochenende abzuschalten, für den anderen ist es ein Erfolgserlebnis, nur zwei Mal am Tag Mails zu checken.

Goodbye Stress!

Ihr wollt noch mehr Tipps, um dem Stress ein Schnippchen zu schlagen – hier bitte:

Zur Person

Mag. Christine Hoffmann ist seit 2007 freiberuflich als zertifizierte Arbeitspsychologin, Trainerin und Coach tätig. Sie unterstützt Einzelpersonen und Teams dabei, ihre Lösungskompetenz zu nutzen und das eigene Potenzial optimal zu entfalten. Methodisch orientiert sie sich an den neuesten Erkenntnissen der Bildungs- und Arbeitspsychologie sowie am lösungsfokussierten und hypnosystemischen Ansatz. Im Rahmen ihrer Lehrtätigkeit für das Institut für Angewandte Psychologie der Universität Wien und der Ferdinand Porsche FernFH leitet sie Forschungsprojekte zu den Themen „Proaktive Selbstführung“ und „Erfolgsstrategien der MitarbeiterInnenführung“.

Bildnachweis: iravgustin / Shutterstock

Der Artikel Richtig abschalten: Tipps für einen relaxten Feierabend erschien zuerst auf karriere.blog.

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